Postkolonialismus und Freiwilligenarbeit Teil II: 7 Tipps für Volunteers

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Freiwilligenarbeit und Postkolonialismus Teil 2 - Sieben Tipps für Freiwillige

Du bist der Annahme, die Kolonialzeit sei längst Geschichte? Fakt ist: Bis heute hat sie Spuren in den Denkweisen und Ansichten unserer Gesellschaften hinterlassen. Wir haben sieben Tipps für dich zusammengestellt, mit denen du postkoloniale Denkweisen vermeiden kannst.

Ein Großteil unserer Zielländer hat eine koloniale Vergangenheit. Diese macht sich bis heute auf vielen Ebenen bemerkbar, unter anderem in unseren Denkweisen und Ansichten. Gerade auch als Volunteer gilt es, sensibel und ganz bewusst mit diesem komplexen Thema umzugehen, um Missverständnissen und Fehlentwicklungen vorzubeugen. Ergänzend zu unserem Artikel „Postkolonialismus und Freiwilligenarbeit Teil I: Viel diskutiert, aber selten erklärt“, haben wir deshalb sieben hilfreiche Tipps für dich zusammengestellt, mit denen du als Volunteer postkoloniale Denkweisen erkennen, hinterfragen und vermeiden kannst:

1. Bereite dich persönlich vor

Vor Ort wirst du feststellen können, dass die koloniale Vergangenheit des jeweiligen Landes bis heute in den Köpfen vieler Menschen verankert ist. Informiere dich deshalb über die Kultur und Geschichte deines Ziellandes, um mit dieser Situation sensibler umgehen zu können. Wir helfen dir dabei in unseren Beratungsgesprächen und interkulturellen Vorbereitungsseminaren. Außerdem findest du Informationen zur Kolonialgeschichte deines Ziellandes in Reiseführern, auf unseren Länderseiten und Länderinformationsportalen (z.B. LIPortal).

2. Verabschiede dich von Klischees und einseitigen Sichtweisen

Wie überall auf der Welt gibt es auch in deinem Zielland eine ungeheure Vielfalt unterschiedlichster Menschen und Lebenssituationen. Stereotype Vorstellungen darüber, wie etwas zu sein hat oder was angeblich typisch ist, solltest du über Bord werfen. Solche Sichtweisen bestätigen lediglich postkoloniales Schwarz-Weiß-Denken. Höre dir an, was die Menschen vor Ort zu sagen haben und lass dich überraschen!

3. Mache deine Wertmaßstäbe nicht zu denen der anderen

Vieles in deinem Zielland wird dir erst einmal fremd sein. Manche Dinge werden dir vielleicht auch nicht gefallen. Es heißt aber nicht, dass etwas schlechter ist, nur weil du es anders gewohnt bist. Versuche deine Wertmaßstäbe nicht über andere zu stellen. Kulturen sind verschieden. Die Tatsache, dass du dich etwa in einem sogenannten „Entwicklungsland“ befindest, bedeutet nicht, dass du weißt, was das Beste für die Menschen dort ist. Sieh dich selbst als Lernende/n, die/der neue Perspektiven kennenlernt!

4. Sei flexibel und bleibe sachlich

Bei einem Auslandsaufenthalt kann manches anders kommen als gedacht. In solchen Situationen gilt es, Ruhe zu bewahren und flexibel zu bleiben. Abwertendes Denken oder das Suchen eines „Sündenbocks“ sind absolut fehl am Platz! Gemeinsam kann immer eine Lösung gefunden werden. Schaue auf das, was dich mit deinen Mitmenschen verbindet, statt auf die Unterschiede zwischen euch, auch wenn die Unterschiede zunächst offensichtlicher sind.

5. Fühle dich als Gast und verhalte dich respektvoll

Sei dir bewusst darüber, dass du ein Gast und für deine Gastgeber erst einmal fremd bist. Auch sie und deine neuen Kolleg/innen haben sicherlich bestimmte Vorannahmen über dich als „Volunteer aus Europa“. Sei höflich und aufgeschlossen und überlege dir im Vorhinein, ob du vielleicht die Gefühle deiner Gastgeber verletzt, wenn du bestimmte Ansprüche stellst.

6. Sieh dich als Unterstützer/in

Auch wenn du als Freiwillige/r vielleicht die gleiche Arbeit wie einheimische Arbeitskräfte übernimmst, heißt das nicht, dass du sie ersetzen kannst oder sollst. Die meisten Menschen freuen sich natürlich über deine Mithilfe und Kompetenzen und zeigen dir dies mit Wertschätzung oder indem sie dir bestimmte Verantwortlichkeiten übertragen. Aber sei dir dennoch immer bewusst, dass deine Aufgabe die Unterstützung von Fachkräften ist, nicht deren Ersatz! Deine freiwillige Hilfe sollte immer von den Menschen vor Ort, nicht aber von uns oder dir als Außenstehende/r definiert werden.

7. Übernimm Verantwortung im Kampf gegen Rassismus!

Fällt dir auf, dass sich jemand der lokalen Bevölkerung gegenüber abwertend oder sogar rassistisch verhält, sprich sie/ihn darauf an. Ist dir das zu heikel, kannst du das Thema natürlich auch bei unseren RGV Teamleiter/innen vor Ort oder bei uns in der Münchner RGV Zentrale ansprechen, sodass wir entsprechend reagieren können.

Wenn du fremden Menschen offen begegnest und sie unvoreingenommen kennenlernst, von Mensch zu Mensch, gibst du Rassismus und Postkolonialismus erst gar keine Chance!

Mit diesen Tipps zur Vermeidung von postkolonialen Denkweisen kannst du noch bewusster in deinen Auslandsaufenthalt starten. Bei Fragen oder Unklarheiten helfen wir dir natürlich gerne weiter – sprich einfach unser RGV Team vor Ort an oder kontaktiere uns in unserem Büro in München!

Autorin: Janina Gurlitt / Svenja Walter, Oktober 2017