03.11.2025 / Erfahrungsberichte

Leonies Freiwilligenarbeit im After School Club in Südafrika

,,Insgesamt fand ich die Zeit eine sehr wertvolle Erfahrung. (...) es war eine positive, wertschätzende und unterstützende Arbeitsatmosphäre (...)."

Klassenraum im After School Club

Leonies Zeit in Südafrika

Meine Anreise & Ankunft in Kapstadt, Südafrika

Meine Reise zur Freiwilligenarbeit im After School Club in Südafrika begann in Stuttgart und von dort aus ging es über Zürich nach Kapstadt. Ich hatte einen entspannten Flug und landete sogar überpünktlich in Kapstadt, weshalb ich ein wenig auf Jemaine warten musste. Meine eSIM funktionierte glücklicherweise auch direkt, sodass ich seine Nachricht, dass er sich verspäten würde, direkt empfangen konnte.

Auf der Fahrt vom Flughafen zum Haus erzählte mir Jemaine einiges über Kapstadt. Von einem Local die Lebensrealität, die Herausforderungen und Probleme zu erfahren, war etwas ganz anderes und super spannend!

Es war meine erste Reise nach Südafrika. Durch die Betreuung vor Ort durch Jemaine, habe ich mich von Beginn an wohl gefühlt und wusste, dass ich jederzeit einen lokalen Ansprechpartner hätte, falls ein Problem auftritt oder ich sonstige Fragen habe.

Die anderen Volunteers im Haus haben mich sehr herzlich aufgenommen, einige hatten in meiner Ankunftswoche Ferien, sodass ich zu Beginn nicht alleine war und auch durch sie viele Informationen zum Leben und zu Freizeit-Aktivitäten in Kapstadt bekommen habe.

Mein Orientierungsprogramm

Vom Orientierungsprogramm hatte ich tatsächlich etwas mehr erwartet. Jemaine hat mir zu Beginn zwar einige Broschüren gegeben, aber die stelten nur zahlreiche Freizeit-Aktivitäten vor.

An meinem Ankunftsnachmittag nahm sich Jemaine die Zeit, mit mir zu einem Supermarkt in der Nähe zu fahren, das war durchaus praktisch. Jedoch stellte ich danach fest, dass die meisten Volunteers Lebensmittel bestellten.

Zudem machte Jemaine eine kurze Sicherheitseinweisung mit mir darüber, wie ich mich in Kapstadt generell verhalten sollte, welche Gebiete ich eher meiden sollte und wie ich für Sicherheit im Haus sorgen kann. Durch die anderen Volunteers erfuhr ich deutlich mehr darüber.

Ich hatte eine halbtägige Einführung vor Ort vor meinem ersten richtigen Einsatztag. Das fand ich hilfreich, um die Mitarbeitenden und Räumlichkeiten vor Ort kennenzulernen. Die anderen Volunteers gaben mir mehr Informationen über das Wohngebiet, Supermärkte, Cafés, Restaurants und Tipps für den Alltag, wie Wäschereien und Apps zum Lebensmittel bestellen.

Meine Aufgaben im After School Club

Ich habe in einer Nachmittagsbetreuung für Grundschulkinder in einem Randviertel von Kapstadt gearbeitet. Ich begann um 10:00 Uhr in meinem Freiwilligenprojekt.

Am Vormittag haben wir meist besprochen was an dem Tag anstand, denn neben der Nachmittagsbetreuung haben die Mitarbeitenden auch Schulworkshops und andere Weiterbildungsangebote geplant und durchgeführt. Die jeweiligen Angebote wurden kurzfristig geplant, das war für mich ungewohnt, da ich aus meinen bisherigen Jobs eine andere Vorgehensweise gewohnt war.

Durch die kurzfristige Planung konnten wir aber die Angebote im After School Club zum Bespiel an das Wetter anpassen und mehr Aktivitäten drinnen oder draußen machen. Gleichzeitig hat die Kurzfristigkeit auch dazu geführt, dass es Tage und Zeiten gab, in denen es ziemlich stressig war und viel Arbeitsaufwand und andere Zeiten in denen ich kaum Aufgaben hatte.

Es war eine wertvolle Erfahrung für mich eine andere Arbeitsweise kennenzulernen und mich darauf einzulassen. Der vielfältige Einblick in die Arbeit hat mir gefallen. Besonders die Zeit mit den Kindern am Nachmittag war für mich das Highlight. Ich habe mich gefreut, wenn unsere Angebote funktioniert haben und ich gemerkt habe, dass die Kinder Spaß haben.

Insgesamt fand ich die Zeit meiner Freiwilligenarbeit in Südafrika eine sehr wertvolle Erfahrung. Ich fand es sehr angenehm, dass ich von Beginn an als gleichwertige Mitarbeiterin angesehen wurde und alle Mitarbeitenden, egal ob Vollzeit-Kraft, Volunteer und Praktikant:in, auf Augenhöhe und miteinander gearbeitet haben. Jede Idee wurde angehört, es war eine positive, wertschätzende und unterstützende Arbeitsatmosphäre und jede:r konnte seine/ihre Stärken und Interessen einbringen.

Da ich die einzige internationale Freiwillige war und die meisten anderen Mitarbeitenden in dem Viertel wohnten und aufgewachsen sind, habe ich viel über ihre Lebensrealitäten, Probleme, Erfahrungen und Weltanschauungen erfahren. Diese Gespräche fand ich total bereichernd, da sie mir einen Einblick in die Bereiche von Kapstadt gegeben haben, die man als Tourist:in eher nicht sieht und erlebt.

Wohnen in Kapstadt

Ich war im Volunteer House untergebracht, in einem Doppelzimmer. Während den vier Wochen haben etwa 8 bis 12 Volunteers im Haus gewohnt. Die Zusammensetzung hat sich wöchentlich geändert, da jemand an- oder abgereist ist. Das fand ich sehr angenehm, da sich die Gruppendynamik regelmäßig verändert hat und es immer Personen gab, die Aktivitäten noch nicht gemacht hatten und andere, die Erfahrungen und Empfehlungen geben konnten.

Die Gruppengröße fand ich auch sehr angenehm, da das Haus mehr als genug Platz für rund 10 Personen bietet und wir viel zusammen unternommen haben.

Da ich davor zwei Jahre alleine gewohnt habe, war es für mich durchaus eine Umstellung dauerhaft von Menschen umgeben zu sein und keinen Rückzugsort für mich alleine zu haben. Für vier Wochen ging das gut, bei einer längeren Zeit hätte ich mich vermutlich für ein Einzelzimmer entschieden.

Essen in Kapstadt

Zum Abendessen waren wir montags immer im Mojo Market, einer Markthalle mit zahlreichen Essensangeboten, in der Montag abends auch Karaoke stattfindet.

Mittwochs sind wir öfters auf den Farmers Market an der Waterfront und auch am Wochenende waren wir ab und zu in einem Restaurant zum Abendessen.

Ich ernähre mich überwiegend vegan und hatte keine Probleme vegetarisches oder veganes Essen zu finden, da eigentlich alle Restaurants ein gutes Angebot hatten. Schwieriger war es traditionelles südafrikanisches Essen zu probieren, da es viele Fleisch-Spezialitäten gibt.

Eine Arbeitskollegin hat mir einmal Koeksisters mitgebracht, das ist eine landestypische Süßspeise, die mich an Quarkbällchen erinnert hat und super lecker war – die zu probieren kann ich auf jeden Fall empfehlen!

Meine Freizeitgestaltung

An den Wochenenden waren wir fast immer unterwegs. Wir sind auf den Tafelberg gewandert, haben einen Ausflug ans Kap der Guten Hoffnung, eine Weinprobe und einen Surfkurs gemacht und waren auf Märkten oder in Shopping Malls unterwegs.

An den Abenden waren wir öfters in Restaurants und Bars, an einem Abend waren wir Billard spielen. Auch unter der Woche haben wir viel unternommen.

In meiner ersten Woche sind wir auf den Lions Head gewandert. Zudem waren wir öfters am Strand und am Sea Point um spazieren zu gehen, einmal haben wir Keramik bemalt und montags waren wir immer beim Karaoke.

Ich habe auch hin und wieder Zeit gefunden, um Sport zu machen. Ich war mehrfach bei einem Feld in der Nähe joggen und war ein paar Mal in einer Boulderhalle.

Ich habe sehr von den Erfahrungen und Empfehlungen der anderen Volunteers, die schon länger vor Ort waren, profitiert.

Besondere Erlebnisse

Neben den ganzen tollen Aktivitäten und Ausflügen, die mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben werden, waren die Begegnungen mit Menschen die Erlebnisse, die mich am meisten bereichert haben.

Zum einen waren es die Gespräche mit meinen Arbeitskolleg:innen, die mir eine andere Lebensrealität als meine aufgezeigt haben und bei denen mir meine Privilegien und Selbstverständlichkeiten noch einmal mehr vor Augen geführt wurden. Das hat zu einer extremen Wertschätzung und Dankbarkeit, dass ich diese Reise machen konnte, geführt und die Reflektion meines Konsums und Lebensstils angeregt.

Außerdem habe ich mich länger mit einem Schwarzen Café-Besitzer über Politik in Südafrika unterhalten. Das hat mir die Augen geöffnet, aber mich auch in vielen meiner Ansichten und Meinungen bestärkt. Ich fand es super spannend seine Positionierung und Wahrnehmung zu erfahren.

Zudem fand ich erschreckend, wie deutlich die Apartheid noch nachwirkt und sichtbar ist. Die Lebensumstände in Südafrika sind bis heute noch sehr stark an die Hautfarbe gebunden, Begegnungen auf Augenhöhe und räumliche Durchmischung findet kaum statt. Ich fand es schockierend, dass es Gegenden in Kapstadt gibt, in denen man kaum Schwarze oder Coloured Menschen sieht, sondern nur Weiße Südafrikaner:innen oder Tourist:innen.

Reichtum und Armut sind sich so nah, aber bleiben voneinander abgegrenzt. Das hat mich auch hilflos fühlen lassen, da ich durch meinen Konsum und mein Verhalten die Ungleichheit weiter unterstützt habe, weil ich in den „Weißen Gegenden“ unterwegs war und in den entsprechenden Läden eingekauft habe, aber es auch kaum sichere Möglichkeiten gibt, dies nicht zu tun.

Warum RGV?

Für mich war von Beginn an klar, dass ich nach Südafrika möchte, da ich von dem afrikanischen Kontinent, besonders vom südlichen Afrika fasziniert bin. Da es meine erste Reise alleine außerhalb Europas war, wollte ich aber auch in eine möglichst sichere Gegend.

Ich hatte beschlossen nach meinem Volunteering noch entlang der Garden Route zu reise, sodass Kapstadt aus logistischen Gründen die sinnvollste Stadt für mein Volunteering war. Zudem fand ich Kapstadt auch von Fotos und Erzählungen eine faszinierende Stadt, die ich gerne sehen wollte.

Bei RGV fand ich eine große Auswahl ein Projekten in Kapstadt, zu einem angemessenen Preis und mit einer Unterkunft - das waren meine Hauptkriterien.

Zudem habe ich nach einer seriösen Organisation gesucht und auch die moralischen Werte mussten stimmen. Ehrenamtliche Arbeit im globalen Süden ist zurecht umstritten, wenn die Intension ist, von oben herab zu helfen ohne die lokalen Gegebenheiten zu respektieren. Hier hat RGV einen guten Eindruck gemacht, auch die Möglichkeit einen Vorbereitungskurs zu machen, fand ich positiv, auch wenn ich sie nicht genutzt habe.

Das persönliche Telefonat mit Eva fand ich ebenfalls wichtig und habe mich durch sie gut betreut gefühlt. Ich hätte mir noch mehr Transparenz gewünscht, wofür das Geld konkret genutzt wird und inwiefern die Projekte vor Ort finanziell oder materiell unterstützt werden.

Zuletzt geändert am: 25.02.2026

Portrait Leonie als Volunteer im After School Club in Südafrika, November 2025
Autor
Leonie als Volunteer im After School Club in Südafrika, November 2025

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