Freiwilligenarbeit und Leben in Ghana

Tipps für Volunteers
Volunteering in Ghana

Tipps für deinen Arbeitsalltag in Ghana

Andere Länder andere Sitten – in unseren Zielländern in Afrika und Asien ticken die Uhren meist anders als wir es von zuhause gewohnt sind. Vieles findest du vielleicht angenehmer als zuhause, Anderes wiederum treibt dich vielleicht zur Weißglut. Dass in Ghana zum Beispiel alles etwas länger dauert als zuhause kann eine Herausforderung darstellen. Wenn du dich jedoch darauf einlässt, dann kann die ghanaische Gelassenheit äußerst wohltuend sein!

Woher kommt die ghanaische Gelassenheit?

In Ghana kämpfen viele Menschen in ihrem Alltag mit Herausforderungen, wie du sie dir vielleicht kaum vorstellen kannst. Mal fällt der Strom aus, sodass eben nicht weitergearbeitet werden kann. Mal gibt es bestimmte Waren nicht, sodass improvisiert werden muss. Schlechte Straßen hindern das Vorankommen nach Plan. Immer mehr Menschen möchten in der Großstadt Accra leben und arbeiten, was eine Herausforderung für das öffentliche Leben darstellt. All diese Gegebenheiten zwingen die Menschen vor Ort zu mehr Gelassenheit. Denn aufregen bringt nichts. Deshalb wird es nicht schneller oder effizienter. Man arrangiert sich und macht das Beste daraus.

Es kann also sein, dass du mit der damit einhergehenden gelasseneren Arbeitsmoral nicht so gut umgehen kannst und diese vielleicht als "Problem" betrachtest. Insbesondere wenn es um Verspätungen, Ungenauigkeiten sowie um Abweichungen vom Plan geht. Wie du am besten mit diesen kulturellen Unterschieden umgehst, liest du in diesem Blogbeitrag!

Zur Arbeitsmoral in Ghana

Zu unseren westlichen Tugenden zählen beispielsweise ein hohes Maß an Pflichtbewusstsein, Pünktlichkeit und Genauigkeit. Diese Tugenden bestimmen unsere Arbeitsmoral und gelten als Voraussetzung für den beruflichen Erfolg. Und der ist für viele Europäer sehr wichtig und wird oft mit einem erfolgreichen Leben gleichgesetzt.

Wenn du als Volunteer in Ghana bist, wird dir auffallen, dass diese Tugenden hier viel weniger gewichtet werden. Dafür werden dir viele Ghanaer mit anderen großartigen Eigenschaften, wie z.B. Geduld, Offenheit, Direktheit, Lebensfreude, Spontanität und Kreativität begegnen. Eigenschaften, die du bei dir zuhause vielleicht manchmal vermisst. Auch eine steile Karriere und Selbstverwirklichung wird in Ghana oft als weniger wichtig angesehen. Es scheint, als ob Erlebnisse hier oft mehr zählen als Geld oder Besitz. Das Leben findet hauptsächlich draußen auf den Straßen statt. Man trifft sich beispielsweise vor der Haustüre, hat ein nettes Gespräch mit einem Unbekannten oder wird spontan vom Nachbarn zum Essen eingeladen.

Die Kunst des entspannten Lebens

Insgesamt ist das Leben in Ghana sehr viel entschleunigter als in Westeuropa. Das wirst du zum Beispiel auch feststellen, wenn du in Ghana in eine Bank oder öffentliche Einrichtung gehst. Im Normalfall bilden sich lange Schlangen und du wartest eine gefühlte Ewigkeit, bis du an der Reihe bist oder die Zuständigen deine Angelegenheit geregelt haben. Hier wird deine Geduld auf die Probe gestellt. Natürlich kannst du dich darüber aufregen und dich fragen, was das soll. Schließlich hast du ja nicht alle Zeit der Welt. Oder aber, du passt dich ein wenig an die gelassene Mentalität der Einheimischen an und akzeptierst, dass in Ghana manche Dinge eben mehr Zeit brauchen. Es ist ja auch mal schön, sich nicht hetzen zu müssen, sondern den Moment bewusst wahrzunehmen. Wie sagt ein afrikanisches Sprichwort so schön: "Die Europäer haben die Uhr, wir haben die Zeit."

Jeder geht mit den kulturellen Unterschieden natürlich anders um. Doch eines ist sicher: Mit einer entspannten Einstellung und Achtsamkeit lebt es sich nicht nur leichter, sondern auch gesünder.

Was ist schon normal? Sei bereit für Neues!

Um dich vor Ort zu integrieren, ist es notwendig, ein Stück weit von den gewohnten Maßstäben abzusehen und dich auf neue Situationen einzulassen. Was du vielleicht ganz normal findest (z.B. 100%ige Pünktlichkeit), sieht ein Ghanaer vielleicht als etwas übertrieben an.

Schließlich ist es immer eine Sache der Perspektive, wie man Dinge bewertet. Der Blick auf die Welt hängt natürlich immer damit zusammen, in welchem Kulturkreis und mit welchem Wertesystem man aufgewachsen ist. Die Kunst ist es, zu versuchen, sich neuen Werten und Perspektiven zu öffnen.

Mit Offenheit und Flexibilität positive Auslandserfahrungen sammeln

Die Möglichkeit positive Erfahrungen in Ghana machen zu können, steht und fällt also mit deiner Flexibilität und Bereitschaft, dich auf neue Standards einzulassen und diese vor Ort auch zu leben. Natürlich funktioniert das nicht von heute auf morgen und dem Einen gelingt es vielleicht schneller als dem Anderen. Jedoch zählt letztendlich deine Bereitschaft dazu.

9 praktische Tipps um dich vor Ort an kulturelle Unterschiede anzupassen

  1. Mach dir während deines Aufenthaltes regelmäßig bewusst, dass deine eigene Mentalität nicht das Maß aller Dinge ist.
  2. Rufe dir ins Bewusstsein, dass du Besucher/in bist und du dich an die Menschen vor Ort anpassen solltest und nicht umgekehrt.
  3. Beobachte die Menschen vor Ort im Alltag und schaue dir Verhaltensmuster ab.
  4. Reduziere deine To-Dos, die du Zuhause normalerweise an einem Tag erledigen würdest, um die Hälfte, dann bist du nicht enttäuscht, wenn du nicht alles erledigen kannst.
  5. Versuche dem entschleunigten Alltag etwas Positives abzugewinnen. Wer langsamer unterwegs ist und achtsam ist, nimmt mehr von seiner Umwelt auf.
  6. Rechne damit, dass es in Ghana öfter zu Verspätungen kommen kann oder eine Abmachung manchmal nicht so wichtig genommen wird. Doch mit Gelassenheit und Flexibilität wirst du auch solche Situationen meistern!
  7. Wenn dich etwas aufregt hilft es, dein aktuelles Problem mit den Problemen der Menschen vor Ort in Relation zu sehen. Oftmals steht man sich nur selbst im Weg und nimmt kleinere Schwierigkeiten zu ernst.
  8. Lass es zu Beginn langsam angehen und genieße die vielen neugewonnenen Eindrücke. Nimm dir Zeit für all das, wozu du zuhause keine Zeit hast
  9. Lebe den Moment!

Autorin: Janina Gurlitt, Februar 2017