13.07.2026 / Erfahrungsberichte

Christines Zeit beim Medien- und Marketingprojekt im Senegal

,,Ich hatte hier die Chance, einen tieferen Einblick in den Alltag der einheimischen Bevölkerung zu gewinnen, der mir auch als alleinreisende Touristin eher verschlossen bleibt."

Ankunft in Dakar

Anreise | Ankunft

Bewusst bin ich einige Tage vor dem Start meines Volunteerings im Südwesten des Senegals in das Land eingereist. In der Hauptstadt Dakar konnte ich mich an das Klima gewöhnen und kleine Erkundungen zu Fuß oder per Taxi machen. Mir war es auch wichtig zu testen, welche Kreditkarten ich wie verwenden kann und wie und wo ich Bargeld abheben kann.

Zum Start meiner Freiwilligenarbeit im Bereich Medien und Marketing im Senegal hat mich mein RGV-Ansprechpartner vor Ort, Bakary Faty, wie vereinbart mit Taxi von meinem Hotel in Dakar abgeholt. In einer mehrstündigen Fahrt haben wir meinen Einsatzort in der Nähe von Sokone am Rand des Saloum-Deltas erreicht.

Orientierungsprogramm

Ein formales Orientierungsprogramm gab es nicht, eine pragmatisch gehandhabte Prozedur zum ersten Kennenlernen schon. In den ersten beiden Tagen hat mich Bakary Faty an seinem Wohnort herumgeführt. So wussten alle im Dorf, dass es eine Weiße im Haus Faty gibt und sie für vier Wochen Freiwilligenarbeit im Senegal macht. Ich habe mich dadurch sicher gefühlt. Die Dorfbewohner haben mich freundlich neugierig zurückhaltend begrüßt. Während meines Aufenthalts hat sich eine Routine entwickelt, bei der ich im Anschluss an das Frühstück Fragen zu Erlebnissen, Situationen o.ä. stellen konnte, denen ich am Vortag begegnet bin und nicht richtig einordnen konnte.

Bakary Faty hat mir nach bestem Wissen Auskunft gegeben, mich auch hinter die Kulissen schauen lassen und Geduld gehabt, wenn ich nach Vokabeln gesucht oder nochmal nachgefragt habe. (Ich bin im Französisch aktuell auf dem Niveau DELF B2/C1, Englisch wird dort nicht gesprochen, wohl aber die Nationalsprache Wolof und in dieser Region Serer.)

Nationalpark im Senegal

Aufgabenbereiche

Meine genaue Aufgabe hat sich vor Ort entwickelt. Vorab bekannt war meine langjährige Erfahrung als Organisationsentwicklerin in einem deutschen Konzern. Bakary Faty hat mich dann gebeten, den landesweit tätigen Verein Nooko Bok, dessen Vorsitzender er war, mit meiner Expertise zu unterstützen. Nooko Bok hatte eine aus meiner Sicht aussagekräftige Dokumentation zu seiner Denkweise, Mission und Vision erstellt.

Was der Verein tatsächlich in den letzten Jahren gerade im Bereich des lokalen Bio-Gemüseanbaus trotz Widrigkeiten auf die Beine gestellt und welche Wirkung das für die Landbewohner hatte, wurde darin nicht erwähnt. Das sind aber gerade die Kriterien, die einen Verein für eine Investition durch europäische Partner attraktiv machen. Mithilfe des Wirkungsmodells habe ich daraufhin eine Stärken- und Schwächenanalyse durchgeführt und Handlungsempfehlungen sowohl für das Marketing nach außen als auch die Arbeitsorganisation vereinsintern entwickelt.

Diese Aufgabe war für mich so spannend, dass ich zwar eine andere Arbeitsmoral in meiner Umgebung registriert habe, die mich aber nicht von meiner eigenen Arbeit ablenken ließ. Meine Analyse habe ich meistens früh morgens oder abends weitergedacht, den Bericht fortgeschrieben bzw. im Internet recherchiert, so wie es die Temperaturen zuließen. In der Zeit zwischen 13:00 und 16:00 Uhr stand dann die Welt aufgrund der hohen Temperaturen (und ohne Fensterglas oder Klimaanlage) still.

Wohnen

Ich war im Haus der Familie Faty untergebracht. Die Familie hatte mir dafür eines ihrer eigenen Zimmer zur Verfügung gestellt. Als Volunteer war ich allein dort. Neben einem Sohn im Grundschulalter gab es in der Familie noch eine wenige Monate alte Tochter. Ich hatte damit die Chance, den Alltag einer Familie im Südwesten des Senegals hautnah mitzuerleben. Auf der anderen Seite musste ich auch damit umgehen können, wenn es in der Familie mal „dicke Luft“ gab.

Essen

Zuverlässig hat die Frau meines Ansprechpartners Bakary Faty mittags und abends für uns gekocht, aus meiner Sicht kräftig wohlschmeckend gewürzt. Die Mahlzeiten waren einfach und nicht so abwechslungsreich, aber vollständig und nahrhaft (Reise etc., Fisch/Hähnchen, Gemüse, vgl. „Thieboudienne“). Morgens gab es neben Kaffee ein leichtes französisches Frühstück. Es gab auch einen Lieferservice im Dorf, der fast täglich frisches Baguette gebracht hat. In den ersten zwei Wochen haben wir alle Mahlzeiten gemeinsam mit der ganzen Familie eingenommen, später habe ich meistens mit Bakary Faty zusammen gegessen.

Safari in Senegal

Freizeit

Am frühen Abend bin ich regelmäßig in der näheren Umgebung allein spazieren gegangen. Bei den vielen Trampelfaden im Sand ist es eine Herausforderung für eine „Toubab“ (weiße Frau), dabei nicht die Orientierung zu verlieren. Die Geodaten von Google waren zu grob und nicht hilfreich. Ich habe es sehr gemocht, wenn mir auf meinem Weg Einheimische begegnet sind und wir uns in einem kleinen Ritual gegenseitig freundlich begrüßt haben. Die Frauen und Kinder, die ich dort getroffen habe, sprachen kaum Französisch.

Ich kannte inzwischen den Standardbegrüßungssatz auf Wolof. Darüber hinaus konnte ich Freizeitaktivitäten nicht selbständig organisieren, sondern war darauf angewiesen, dass mein Ansprechpartner vor Ort mich auf seinem Motorrad mitnahm. Auf meinen Wunsch hin hat er uns in der letzten Woche meines Aufenthaltes zu einer lokalen Veranstaltung in Toubakouta gefahren.

Er hat sich dabei für einen Besuch eines Ringkampfes entschieden, dem senegalesischen Nationalsport. Eigentlich hatte ich mir eine Veranstaltung mit senegalesischen Trommeln gewünscht. Djembe wurden tatsächlich auch in den Pausen des Ringkampfes zum „Einheizen“ eingesetzt. Am ersten Wochenende hat er zusammen mit einem befreundeten, französischen Paar, das die Familie als Touristen besuchte, einen Ausflug mit dem Auto zum Nationalpark Delta du Saloum und eine Safari im Fathala Wildlife Reserve nahe Toubakouta organisiert. Im Norden des Landes haben wir später mit dem Auto das Vogelschutzgebiet des Djoudj-Nationalparks an der mauretanischen Grenze besucht.

Besondere Erlebnisse

Ich habe das gemeinsame Essen aus großen Schüsseln in einer Großfamilie auf dem Boden oder an niedrigen Tischen sitzend (vgl. „Bol“) geliebt, das ich während meines Aufenthaltes im Norden des Landes (in Saint-Louis bzw. an der mauretanischen Grenze) mehrfach erleben durfte. Als „Toubab“ wurde ich der Männerrunde zugeordnet, neben uns saßen die einheimischen Frauen und Kinder im Kreis. Jeder in der Familie kannte seine Rolle, wie z.B. Essen auftischen, Essen verteilen, abräumen, Boden fegen. Und ich durfte als Beobachterin Teil dieses bunten, lebendigen Miteinanders sein.

Besonders berührt hat mich, wenn mir als Gast ein gutes Stück Fleisch oder Fisch von der Mitte der Schüssel in „meinen Essensbereich“ der Schüssel geschoben wurde. Die Straßenverkehrsordnung auf geteerten Straßen in ländlichen Gebieten ist ein Erlebnis für sich. Vorfahrt hat, wer am wenigstens beweglich und die geringste Einsicht in die Regeln des Straßenverkehrs hat. Vorfahrt haben also Esel, wenn sie gemütlich die Straße passieren, oder Ziegen, die aus dem Gebüsch gesprungen kommen. Dann sind Pferdefuhrwerke zu beachten, gerade dann, wenn sie von Kindern gesteuert werden. Motorräder können ja ausweichen, SUVs stoppen.

Warum RGV?

Ich bin dankbar, dass ich - nach längerer Suche - RGV gefunden habe. Ein gemeinnütziger Reiseveranstalter, dem die Nachhaltigkeit wichtig ist. Ich hatte hier die Chance, einen tieferen Einblick in den Alltag der einheimischen Bevölkerung zu gewinnen, der mir auch als alleinreisende Touristin eher verschlossen bleibt.

Gesucht habe ich bewusst eine Freiwilligenarbeit im frankophonen Afrika. Über RGV hatte ich die Möglichkeit, meine Französischkenntnisse auch in einem Arbeitsumfeld einzusetzen und zu professionalisieren. Dies war mir eine wichtige Erfahrung für meine zukünftige Arbeit in meinem Solo-Unternehmen. Und RGV war mir bei der „Bürokratie“ hilfreich, meiner Erfahrung nach war das nicht selbstverständlich.

Zuletzt geändert am: 14.07.2026

Portrait Christine im Medien- und Marketingprojekt im Senegal
Autor
Christine im Medien- und Marketingprojekt im Senegal

Mehr Projekte die dich interessieren könnten

Hast du noch kein geeignetes Programm für deine Zeit im Ausland entdeckt? Kein Problem, wir präsentieren dir weitere Freiwilligenprojekte im Ausland, die möglicherweise dein Interesse wecken könnten.

Befindest du dich vielleicht noch am Anfang deiner Überlegungen für deine Reise und hast noch keine Vorstellung davon, was für dich geeignet sein könnte? Ob für kurze Zeit als Volunteer ins Ausland, oder doch lieber ein FSJ bis zu 12 Monate im Ausland leisten? Eventuell ist ein Auslandspraktikum in einem bestimmten Fachbereich die beste Möglichkeit für dich, Auslandserfahrungen zu sammeln?

Freiwilligenarbeit im Senegal Nachhaltigkeitsziel 9 - Industrie, Innovation und Infrastruktur
Freiwilligenarbeit
Senegal | Social Media & Marketing
Freiwilligenarbeit im Bereich Medien und Marketing im Senegal