Afrika zum Hören: Die mitreißenden Rhythmen eines Kontinents

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Afrikanische Musik

Afrika, das ist ein riesiger und vor allem vielfältiger Kontinent – voll unterschiedlicher Menschen, Kulturen und Traditionen. Ein Element, das alle verbindet, ist die Musik: RGV hat für dich eine Auswahl der mitreißendsten Musikrichtungen aus Afrika zusammengestellt. 

Endlich ist es so weit: Dein lang erwartetes Abenteuer startet, und du sitzt im Flugzeug Richtung Afrika. Du bist aufgeregt, die Spannung steigt – und du kannst es kaum noch erwarten, endlich in deinem Zielland anzukommen! Bis zur Ankunft liegen allerdings noch mehrere Stunden über den Wolken vor dir. Unser Tipp: Entspann dich, setz deine Kopfhörer auf die Ohren, schließe die Augen und lass dich von unserer topaktuellen RGV Spotify Playlist mit einer Auswahl der besten Musik aus Afrika auf dein Abenteuer einstimmen!

Ein Kontinent der musikalischen Vielfalt

Wenn wir von „afrikanischer“ Musik sprechen, dann sollten wir eine grundlegende Tatsache im Hinterkopf haben: Die afrikanische Musik gibt es eigentlich gar nicht. Afrika ist ein riesiger Kontinent mit aktuell 55 Ländern und rund 1,1 Milliarden Einwohnern, die natürlich zahllose kulturelle Wurzeln haben und verschiedenste Einflüsse mitbringen. Schließlich ist es auch nicht ganz einfach, von „europäischer“ Musik im Allgemeinen zu sprechen: die Bandbreite reicht von deutschem Hiphop, finnischem Tango oder britischer Rockmusik bis hin zu spanischem Flamenco – und dazwischen gibt es noch so viel mehr.

So ist auch die Musikszene in Afrika enorm vielfältig und entspringt oftmals tief verwurzelten Traditionen. Zahlreiche musikalische Stilrichtungen aus Afrikas unterschiedlichen Regionen bieten tiefe Einblicke in Kultur und Tradition deines Ziellandes! Denn auch in moderner Musik stecken oft traditionelle Rhythmen aus vergangenen Zeiten. So gibt es zum Beispiel eine enge Verbindung zwischen Musik und Tanz. Häufig werden Songs als Erzählungen genutzt, um alte Weisheiten weiterzugeben. Weiterhin geht es in vielen bekannten afrikanischen Liedern um politische und gesellschaftliche Themen.

Befreiung und Protest durch Musik

Besonders in der Zeit der Befreiungsbewegungen im 20. Jahrhundert entstanden spannende neue Stilrichtungen, die alte musikalische Traditionen aufgriffen. Den Musikern war es wichtig, ihre eigene kulturelle Identität zu betonen und sich von der kolonialen Unterdrückung zu emanzipieren. Die südafrikanische Sängerin Miriam Makeba etwa rief auf vielen ihrer Auftritte zum Boykott des Apartheid-Regimes auf. Bis heute ist dieses Thema in der Gesellschaft Südafrikas noch extrem wichtig. Der deutsch-nigerianische Musiker Ade Bantu, der sich aktiv gegen Rassismus einsetzt, sagt im Interview mit dem Deutschlandfunk: „Musik, das ist die Waffe der Zukunft“.

Diese Hintergründe zeigen: Auch die aktuellen Künstler aus Afrika haben ganz unterschiedliche Ansätze und schaffen dadurch eine absolut spannende Bandbreite. Sie wollen unterhalten, informieren, abgrenzen, verbinden, kämpfen – und immer ganz einfach richtig großartige Musik machen! Was zählt, sind der Sound, der Rhythmus und die Botschaft. So erreichen sie die Herzen der Zuhörer und animieren zum gemeinsamen Tanzen und Feiern!

In unserer Spotifylist RGV Travel Tunes haben wir euch einige unserer musikalischen Favoriten aus Afrika zusammengestellt – von langjährigen Erfolgsstücken bis hin zu topaktuellen Sommerhits aus dem Jahr 2017!

Und hier erfahrt ihr noch ein paar spannende Fakten zu aktuellen Musik Styles aus verschiedenen Regionen Afrikas.

1. Bongo Flava

Bei dieser Stilrichtung handelt es sich nicht um traditionelle Trommelmusik, sondern um modernen Hip-Hop! Genauer gesagt: Hip-Hop in der Sprache Swahili. Das ist gleichzeitig die am weitesten verbreitete Version des afrikanischen Hip-Hop. Unsere RGV Zielländer Tansania und Uganda bieten dir hier ein breites Spektrum an Künstlern, zum Beispiel Diamond Platnumz. An seinem Lied „Fire“ kannst du beobachten, dass der US-Hip-Hop zwar als Vorbild des Bongo-Flava diente, dieser jedoch seinen eigenen Charakter beibehält. „Bongo“ als Slang-Ausdruck für die Stadt Dar es Salaam, ist gleichzeitig eine Abwandlung des Wortes „ubongo“, was Gehirn bedeutet. Die Rapper betonen damit die Notwendigkeit des Verstandes, um in der Großstadt überleben zu können.

2. Die Musik der neuen Mittelschicht

„If you had to ask any kid, down any street and ask him where house music comes from, he will tell you it comes from here! That’s how engraved house music in the heads is” (DJ Mbuso). Wenn du in Südafrika unterwegs bist, wirst du viel und guten House auf die Ohren bekommen! House ist Ausdruck des neuen Südafrika, der ersten „freien” Generation, nach Ende der Apartheid in den 1990ern. Der Beruf des DJs kommt nun als Alternative zum Fußballprofi als Karriereziel hinzu. Wobei der Unterschied ist, dass DJs im Township bleiben und Afrika nicht verlassen. Ein grandioser Track von DJ Mbuso ist Dali Wami.

3. Die Griots

Etwas Traditionelles zwischendurch: In Westafrika genießen die Griots (Musiker/Sänger) großes Ansehen, denn sie sind gleichzeitig Archive und Bibliotheken, Bewahrer der Traditionen und mündlicher Überlieferungen. Sie werden schon in früher Kindheit unterrichtet. Eines ihrer Musikinstrumente ist die Kora, eine Harfenlaute mit 21 Saiten. Diese wird mit Daumen und Zeigefinger gezupft. In moderner afrikanischer Musik wird die Kora oftmals durch die Gitarre ersetzt, die Zupftechnik jedoch beibehalten. Durch die Kolonialisierung wurde europäische Musik anfangs imitiert, jedoch mit der Zeit wieder an eigene Traditionen erinnert. Sona Jobareth lässt die Kora zum Beispiel weiterleben.

4. Highlife

Die Gitarre ist ebenso ein Element im ghanaischen Highlife. Hier fließen Elemente aus Jazz und die Verwendung von verschiedenen Gitarren, sowie Trommeln, Keyboard, Blasinstrumenten und Percussions zusammen und charakterisieren die Verschmelzung aus traditionell-afrikanischen und europäischen Elementen. Highlife ist eine Tanz- und Musikrichtung Westafrikas, die ab den 1920ern besonders in Ghana bekannt wurde. Als einer der Ursprünge des Afrobeats, ist er für ganz Afrika bedeutend. Ein tolles Beispiel ist die West African Highlife Band.

5. African Beat - Afrobeat

Der Afrobeat entstand in den 1970er Jahren, aus Highlife, Perkussion, Jazz, Funk und traditioneller Yoruba-Musik. Die Afrobeat-Musiker nutzen eine große Bandbreite an Instrumenten und schnelle Rhythmen für ihren oft politisch geprägten Sound. Auch die Improvisation ist ein wichtiges Stilmittel. Fela Kuti gilt als bekanntester Gründer des Afrobeats. Der nigerianische Musiker feierte seine größten Erfolge in den 1970er- und 1980er Jahren. Oft  sang er in seiner Muttersprache Yoruba. Seine Bühnenperformances glichen häufig Jam-Sessions, in denen er in fröhlicher Runde mit befreundeten Künstlern zusammen musizierte. In seinen Songtexten thematisierte Kuti Missstände der nigerianischen Gesellschaft. Ein packendes Beispiel ist Afrodisiac. Heute ist der Afrobeat vor allem mit Hip-Hop oder Gospel gemixt.

Natürlich gibt es noch unzählige weitere spannende Musikrichtungen auf dem riesigen afrikanischen Kontinent. Wenn du mehr wissen willst: Das aktuelle und umfangreiche Online-Portal „Music in Africa“ hat das Ziel, Musik aller stilistischen Richtungen aus Afrika weltweit bekannt zu machen. Hör doch mal rein!

Du bist selbst Musiker und möchtest dein Talent weitergeben oder durch kulturelle Einflüsse weiterbilden? Mit RGV hast du beispielsweise die Möglichkeit Nachwuchskünstler in Tansania zu unterstützen. Hier kannst du kreativ werden, dein musikalisches Wissen weitergeben oder dich selbst inspirieren lassen. Aber auch in Schul- oder Straßenkinderprojekten in Afrika und Asien kannst du mit Kindern musizieren und Freude an einer gemeinsamen Sprache, der Musik, teilen! Genug Theorie – Hier sind unsere Traveltunes! Stay tuned!

Autorin: C. Müller, RGV Online-Redaktion, August 2017