Kulturschock vorbeugen

Tipps für Volunteers
Kulturschock vermeiden

Kulturschock vorbeugen und überwinden

"Andere Länder, andere Sitten" sagt man so schön und obwohl diese Andersartigkeit Teil der Faszination ist, die das fremde Land ausübt, kann sie Reisenden zu Beginn Schwierigkeiten bereiten. Du wirst in deinem Gastland viele neue Eindrücke gewinnen, bei denen die kulturellen Unterschiede zu deinem Herkunftsland deutlich werden. Wenn die erste Phase der Begeisterung und des Staunens vorbei ist und du allmählich einen Alltag entwickelst, wirst du entdecken, dass neue und der Kultur angepasste Verhaltensweisen erst erlernt werden müssen.

Du wirst vielleicht merken, dass die Erwartungshaltungen, die du an das Land gestellt hast, nicht erfüllt werden und dort ganz andere Spielregeln gelten. Zum Beispiel ist es möglich, dass das Wertesystem, dass du von Zuhause mitbringst, im Ausland nicht dieselbe Gültigkeit besitzt. Erkenntnisse dieser Art können zu einem sogenannten Kulturschock führen, der sich in physischem und emotionalem Unbehagen äußert.

Typische Symptome eines Kulturschocks:

  • Stimmungstiefs
  • Heimweh
  • Unsicherheit
  • Wut
  • Schlaflosigkeit
  • Verlust von Selbstbewusstsein

Oftmals kommt es auch zu einer Idealisierung des eigenen Landes, Vorurteilen gegenüber dem fremden, einer Identitätskrise oder Isolation. Doch was kannst du dagegen tun?

Tipps zur Vorbeugung

1. Vor der Reise

Neben der Vorbereitung durch die Organisation (Beratungstermine, Broschüren) solltest du auch deine eigenen Reisevorbereitungen treffen. Wir empfehlen dir, dich vor der Abreise gut über die Gepflogenheiten in deinem Zielland zu informieren, um später Fauxpas vermeiden zu können. Gerade in Entwicklungsländern haben Religion, Tradition und Gebräuche einen sehr hohen Stellenwert. Beispielsweise kann es traditionelle Ansichten von Mann und Frau geben, die für eine/n Ausländer/in anfänglich gewöhnungsbedürftig sein können, die du aber respektieren solltest. In Reiseführern wird meist ausführlich auf Kultur und Gepflogenheiten des Landes eingegangen und es empfiehlt sich diesen Teil aufmerksam zu lesen.

Oftmals helfen auch Kauderwelsch-Wörterbücher mit typischen Wörtern und Floskeln, mit denen man die ersten Kommunikationsschwierigkeiten überwinden kann (z.B. RGV Traveler Shop) . Außerdem kannst du natürlich in zahlreichen Internetforen Informationen und Erfahrungen von anderen Reisenden lesen und dir anhand von Fotos einen ersten Eindruck deines Gastlandes verschaffen.

2. Vor Ort

Häufig kommt es anfänglich zu Kommunikationsschwierigkeiten. Der Dialekt, die ungewohnte Aussprache oder dein vielleicht noch kleiner Wortschatz können das Verständnis beeinträchtigen. Auch gibt es Situationen, wo das Gesagte anders ankommt als beabsichtigt. Manchmal kann zum Beispiel das "Ja" in einer afrikanischen Sprache etwas ganz Anderes als Bestätigung bedeuten. Dies kann sehr frustrierend sein, doch keine Angst: du wirst dich mit der Zeit an alles gewöhnen.

Deshalb versuche gelassen zu bleiben und dich nicht entmutigen zu lassen! Gerade in Entwicklungsländern ist der allgemeine Lebensstandard niedriger und neben der psychischen Herausforderung die die Konfrontation mit der Armut an dich stellt, solltest du lernen mit Dingen wie gestörtem Internetempfang oder eventuellem Verzicht auf fließendes Wasser flexibel umzugehen. Auch auf Probleme wie eine modrige Matratze durch die hohe Luftfeuchtigkeit oder ähnliches solltest du dich einstellen, um dann möglichst gelassen darauf reagieren zu können. Versuche dich so gut du kannst an die neue Umgebung anzupassen und Traditionen und Höflichkeitsregeln zu respektieren.

Die Hinweise und Ratschläge des RGV-Teams solltest du immer befolgen: diese Regeln sind zum Schutz von deiner Gesundheit und Sicherheit aufgestellt worden. Den Dingen gegenüber die dir möglicherweise nicht gefallen oder in denen du eine andere Meinung vertrittst, solltest du eine hohe Toleranz mitbringen. So kann es in Afrika immer noch üblich sein Kinder in der Schule mit einem Rohrstockschlag auf die Handfläche zurechtzuweisen. Du solltest natürlich selbst mit gutem Beispiel vorangehen und einen pädagogischeren Weg wählen, doch solltest du auf Kritik und Diskussionen verzichten.

Bedenke, dass dies Entwicklungsländer sind und manche Dinge Zeit brauchen. Auch können alltägliche Gewohnheiten anfangs irritieren, wie zum Beispiel das Händchenhalten in Afrika, welches man sowohl zwischen Frauen und Männern als auch zwischen Personen des gleichen Geschlechts häufig beobachten kann. Dies ist eine Geste der Freundschaft und Verbundenheit und hat nichts mit Annäherungsversuchen oder Homosexualität zu tun. Im Gegenteil: Homosexualität wird meist nicht toleriert und auch öffentliches Küssen ist ein No-Go. Am besten beobachtest du die Einheimischen und orientierst dich an ihrem Verhalten.

Du solltest ebenfalls eine große Gelassenheit mitbringen was Pünktlichkeit angeht, da beispielsweise in Afrika die Uhren anders ticken und alltägliche Dinge oftmals sehr viel langsamer laufen als du es wahrscheinlich gewöhnt bist. Termine können ohne Ankündigung verspätet beginnen oder sogar auf einen anderen Tag verschoben werden. Das kann anfangs natürlich zu verärgertem Warten führen, aber wenn du dich darauf einlässt, wirst du vielleicht sogar Gefallen an der afrikanischen Gemütlichkeit finden. Je mehr du dich auf die neue Umgebung einlässt, desto weniger wirst du dich fremd und ausgeschlossen fühlen.

Falls dir all das während deines Aufenthalts zu viel wird und du die Symptome eines Kulturschocks spüren solltest, versuche dich auf die Dinge zu konzentrieren, die dir an der fremden Kultur gefallen. Bestimmt kannst du etwas finden, was dich begeistert. Betrachte die Gepflogenheiten des Gastlandes nicht als gut oder schlecht, sondern einfach als anders und versuche dich darauf einzulassen. Oft hilft es auch sich mit Anderen über das Erlebte auszutauschen und so die Dinge in einem neuen Licht zu sehen. Vielleicht haben die anderen Volunteers ähnliche Erfahrungen gemacht und gute Wege gefunden damit umzugehen oder deine Freunde in der Heimat können dich in einem Gespräch beruhigen und dir neuen Mut geben.

Natürlich kannst du dich auch immer an eine/n RGV-Betreuer/in wenden, aber am Ende bestimmst doch du allein, wie du mit der neuen Situation umgehst und welche Erfahrungen und Gefühle du mit nach Hause nimmst.

3. Nach der Reise

Wieder zurück Zuhause kannst du die Erfahrungen und Eindrücke, die du während deines Aufenthaltes gewonnen hast auf verschiedene Weise verarbeiten. Du kannst natürlich deine Erlebnisse in Gesprächen mit Freunden und Familie teilen, zum Beispiel mit einem Fototagebuch. Oder vielleicht hast du Lust nachfolgenden Volunteers durch einen Erfahrungsbericht einen ersten Eindruck zu vermitteln und sie auf das Kommende vorzubereiten. Und vielleicht wirst du dann sogar feststellen, dass du manches von der fremden Kultur was dir zu Beginn Schwierigkeiten bereitet hat, Zuhause vermissen wirst.

10 Ratschläge zur leichteren Eingewöhnung im Ausland:

  1. Informiere dich vor der Reise gut, um Fauxpas zu vermeiden!
  2. Verzweifle nicht an Kommunikationsschwierigkeiten: Es wird mit der Zeit einfacher!
  3. Stelle dich auf einen niedrigeren Lebensstandard ein!
  4. Vertraue auf das RGV-Team und befolge die Ratschläge und Hinweise!
  5. Orientiere dich am Verhalten der Einheimischen!
  6. Konzentriere dich auf die Dinge, die dir gefallen!
  7. Sei flexibel und anpassungsfähig!
  8. Bleibe gelassen und lass dich nicht entmutigen!
  9. Sprich mit Anderen über deine Erlebnisse!
  10. Verarbeite nach deiner Reise das Erlebte durch Gespräche und Austausch!

Autorin: Lisa Hemauer, August 2014

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