Erfahrungsbericht aus dem Wildlife-Projekt im Nationalpark in Südafrika

Auf Game Drives den Tierschutz vorantreiben

Erfahrungsbericht aus dem Wildlife-Projekt im Nationalpark in Südafrika

In diesem Erfahrungsbericht schreibe ich über meinen vierwöchigen Aufenthalt in Südafrika. Mein Aufenthaltsort war ein Nationalpark im Norden Südafrikas, wo ich verschiedenste Aufgaben im Bereich Wildtier- und Naturschutz durchgeführt habe.

Das RGV Team in München hat mich fit gemacht für Südafrika

Als ich mich dazu entschieden habe als Volunteer nach Afrika zu gehen, hatte ich noch drei Monate bis zum Abflug. Mit dem RGV-Team habe ich mich sehr gut vorbereitet und sicher gefühlt. Alle Informationen habe ich rechtzeitig bekommen und bei Fragen war immer jemand da.

Am 27. Februar ging das Abenteuer los.

Meine Ankunft in Südafrika

Es ist das erste Mal, dass ich alleine fliege und dann noch in ein so fernes und fremdes Land. Aber der Flug ist gar kein Problem. Nach 13 Stunden lande ich in Johannesburg. Mein Koffer ist schnell da und ich kann mir fix das RGV-Shirt überziehen, damit ich erkannt und abgeholt werden kann. In der Ankunftshalle finde ich leider niemanden, der so aussieht, als würde er auf mich warten. Also gehe ich erst einmal Geld holen.

Nach langem Warten und Suchen, finde ich immer noch niemanden. Also beschließe ich aktiv zu werden, denn es ist auch nur noch eine Viertelstunde bis der Transfer starten soll. Da ich keinen von der Organisation in Afrika erreiche, rufe ich in Deutschland an. Im fernen Deutschland ist man sehr erschrocken, aber es wird mir versichert, sie würden sich darum kümmern. In diesem Moment findet mich eine Mitarbeiterin von meiner afrikanischen Organisation. Sie ist selber gerade gelandet, da sie im Urlaub war und muss noch zwei weitere Volunteers einsammeln. Unser Transfer ist noch nicht vor Ort, deshalb wurde sie beauftragt uns Freiwilligenhelfer zu finden. Nach weiteren 15 Minuten ist unsere Gruppe komplett und unser Organisationsleiter ist auch da, um uns abzuholen!

Begrüßung im Projekt am Lagerfeuer

Wir quetschen uns also zu sechst in einen Wagen, der vollgepackt mit großen Koffern ist. Spät am Abend kommen wir endlich in unserem zu Hause auf Zeit an. Es ist dunkel und wir werden am Lagerfeuer erwartet.

Orientierung vor Ort – Meine Einführung in die Projektarbeit

Am nächsten Morgen geht es mit einer Einführung los. Hier wird der Tagesablauf beschrieben, sowie die einzelnen Arbeiten, die während eines Game Drives gemacht werden. Game Drives sind Fahrten in den Nationalpark. Es gibt zwei Drives an einem Tag. Der erste startet in der Regel um 5:30 Uhr und endet zwischen 10 und 11 Uhr. Der zweite Drive geht um 15:30 Uhr los und man kommt gegen 21:00 Uhr wieder im Camp an.

Bei abenteuerlichen Game Drives den Tierschutz unterstützen

Die Hauptaufgabe bei so einem Game Drive ist nach Tieren Ausschau zu halten. Mein Projekt befasst sich hauptsächlich mit den Big 5, dass heißt Büffel, Nashörner, Elefanten, Löwen, Leoparden, aber auch Hyänen werden hier identifiziert. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf den Nashörnern. Aber auch seltene Antilopenarten oder besondere Vorkommnisse werden datiert.

Man fährt also in den Nationalpark und wenn eine dieser Tierarten gefunden werden, ist es die Aufgabe der Volunteers, Fotos zu machen. Wichtig hierbei sind die Ohren, das Gesicht, aber auch die Seiten, um das Tier später am Computer identifizieren zu können. Jeweils ein Volunteer hat auf jeder Fahrt die Aufgabe den Standort einer Sichtung aufzuschreiben. Bei einer solchen Fahrt müssen zusätzlich etwa ein bis zwei Stunden (je nach Wetter) körperliche Arbeiten durchgeführt werden. Es gibt verschiedenste Aufgaben, die erledigt werden müssen. Das kann sein: Pflanzen ausroden, die aus anderen Ländern eingeschleppt wurden, Bäume schneiden, sodass das Auto gut durchfahren kann. Auch die Straße muss manchmal begradigt werden.

Meine weiteren Aufgaben: Auch mal Camp-Volunteer sein

Es gibt immer einen Volunteer der im Camp bleibt, um Hausarbeiten zu erledigen, das Essen zu kochen und Arbeiten im Büro zu erledigen. Im Büro gibt es verschiedene Aufgaben. Zum Beispiel werden Kamerafallen ausgewertet, Sichtungen datiert oder Tiere identifiziert. Auch kann man sich an so einem Tag im Camp ein bisschen ausruhen und etwas länger schlafen.

Tagesausflüge in die Stadt – WLAN inclusive

Am Freitagnachmittag fahren alle gemeinsam zum Einkaufen. Hier kann man Sachen, die man vermisst, selber kaufen. Anschließend versammeln sich alle im Restaurant, um zu essen, trinken, quatschen und Spaß zu haben. Hier nutzen alle das kostenlose WLAN, um Freunden und Familie die neusten Erlebnisse zu berichten. Die Internetverbindung im Camp ist nämlich eher schlecht.

Sonntag ist Ruhetag

Auch der Sonntag ist kein normaler Tag. Dieser Tag ist zum Ausruhen. Man kann aber auch selber Touren planen.

Kein Tag vor Ort gleicht dem anderen

Die Erlebnisse, die ich in meinen vier Wochen Afrika gemacht habe, sind unbezahlbar und ich werde noch lange daran denken. Ich hätte nie gedacht, dass ich wilden Tieren einmal so nah kommen werde. Die Arbeiten in der prallen Sonne sind zwar recht anstrengend und man sollte körperlich einigermaßen fit sein, doch die Tiersichtungen haben das wieder wettgemacht. Jeder Tag ist anders als der vorherige.

Auch jeder Game Drive ist anders. Mal sieht man an jeder Ecke ein Tier und an anderen Tagen findet man nur Impalas und Gnus. Einige Bushwalks durfte ich auch mitmachen. Hierbei fährt man nicht wie sonst mit dem Auto durch den Park, sondern geht zu Fuß mitten durch den Bush, abseits von den Straßen. Solche Bushwalks sind nötig, wenn zum Beispiel Speicherkarten aus Kamerafallen gewechselt werden müssen. Dabei geht ein Guide mit einem Gewehr vorne weg und alle anderen gehen in einer Schlange hinter diesem her.

Sleep Out - Übernachten in der freien Natur

Ich hatte auch das Glück bei einem Sleep Out mit zu machen. Hier wechselt man sein moskitogeschütztes Bett mit der freien Natur. Wir haben in einer kleinen Hütte, an einem Wasserloch übernachtet. Nachts ist die Chance größer, Tiere zu sehen. Damit man nicht von wilden Tieren überrascht wird, muss jeder einmal eine Wache übernehmen. Hier sucht man alle paar Minuten alle Richtungen nach auffällig reflektierenden Augen mit einer Lampe ab.

Ein weiteres Highlight: Das Game Capture

Dies findet höchstens einmal im Jahr statt. Wir haben Impalas, Zebras und Gnus eingefangen, die in einen anderen Nationalpark umziehen. Hierfür mussten wir ein Gehege (Boma) aufbauen, in das die Tiere mit einem Helikopter getrieben werden. Der Aufbau war harte Arbeit und auch das Einfangen war nicht ohne. Ein sogenannter Boma sieht folgendermaßen aus: es ist ein trichterförmiges Gehege, das am Ende auf eine Rampe zum LKW führt. Die Wände bestehen aus etwa drei Meter hohen Vorhängen, die oben und unten an einem Drahtseil befestigt sind. Am weitläufigen Anfang sind diese Vorhänge aufgezogen. Wenn die Tiere im Gehege sind, werden sie zugezogen und die Tiere nach vorne getrieben, wo es immer enger und kleiner wird. Während die Tiere nach hinten laufen, werden hinter ihnen immer weiter Teilabschnitte zugezogen, bis sie sich im Abschnitt der Rampe befinden.

„Meine Aufgabe hier ist es, abwechselnd einen Vorhang im hinteren und vorderen Teil zu schließen. Wenn es losgeht, stelle ich mich in meinen aufgezogenen Vorhang. Ich höre den Helikopter schon fliegen, was ein komisches Gefühl in mir auslöst. Je näher er kommt, desto mehr steigt die Spannung. Ich stehe also versteckt in meinem Vorhang, damit mich die heranlaufenden Tiere nicht sehen können und warte auf das Signal des Hubschraubers. Dieser kommt immer dichter und ich kann schon erahnen, aus welcher Richtung die Tiere reingelaufen kommen. Ich höre immer wieder ein kurzes Piepen, mit dem der Pilot die Tiere treibt. Dann sehe ich aus meinem Versteck die ersten Tiere kommen. Der Adrenalinpegel steigt. Endlich ertönt die Sirene, was das Signal zum schließen der Vorhänge ist. Jeder im vorderen Bereich schnappt sich seinen Vorhang und rennt so schnell er kann, um das Gehege zu schließen. Die Sirene ertönt noch ein paar mal, bis die Tiere im hinteren Teil sind, wo sie auf den Truck geladen werden.“

Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas erlebe. Es war einmalig und bestimmt auch das letzte Mal in meinem Leben. Es ist mit Sicherheit nicht mein Lieblingserlebnis, da es sehr hektisch und anstrengend war. Auch hat es viel Stress für die Tiere bedeutet, obwohl ich weiß, dass sie in einen neuen Park kommen. Dennoch war es beeindruckend, dies mitzuerleben.

Von meiner Unterkunft an sich bin ich leider nicht sonderlich begeistert. Ich hatte Glück, dass ich während meines Aufenthaltes eine tolle Gruppe hatte. Es war hilfreich, Freiwilligenhelfer vor Ort zu haben, welche schon länger da waren und ihre Erfahrungen weitergegeben haben. Dennoch brauchte ich ein bisschen um mich einzugewöhnen und alle Abläufe richtig zu verstehen.

Ich freue mich schon auf das nächste Mal!

In meinen vier Wochen hatte ich einige tolle Erlebnisse. Von einem Elefantenbullen, der direkt an unserem Auto vorbei spaziert ist, bis zu einem Leoparden im Baum oder einer Schlange, die unseren Weg überquert hat. Ich weiß, dass ich so ein Volunteer-Projekt nicht das letzte Mal gemacht habe und ich freue mich schon auf meinen nächsten Aufenthalt in Afrika.

Erfahrungsbericht von Aniko S., die im März 2017 für vier Wochen in unserem Wildlife-Projekt im Nationalpark Südafrika verbracht hat.

Zum Projekt

Bildergalerie

Tolle Erfahrung - die Riesen der Savanne direkt vor Anikos Kamera
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Aniko und ihre Kollegen in Südafrika auf dem Game Drive im Nationalpark
Aniko und ihre Kollegen in Südafrika auf dem Game Drive im Nationalpark
Aniko auf Wildtier-Safari in Südafrika
Aniko auf Wildtier-Safari in Südafrika
Ein starkes Team - die Volunteers und ihre Kollegen
Ein starkes Team - die Volunteers und ihre Kollegen