Baustellenpraktikum in Ghana Erfahrungsbericht

Die spannenste und erfahrungsreichste Zeit meines Lebens!

Vorbereitung auf mein Baustellenpraktikum in Ghana

Ich gehöre zu den Reiselustigen, die ein Baustellen-Praktikum in Ghana absolviert haben. Und ich kann sagen, dass mein Aufenthalt in Ghana mit Abstand die verrückteste, spannendste, intensivste und erfahrungsreichste Zeit meines Lebens war! Die beste Vorbereitung für mein Auslandspraktikum in Ghana war das Orientierungs-Programm vor Ort, bei dem wir viel von Mama Mina und beim Abendbrot von erfahreneren Praktikanten erzählt bekamen. Die Fragen, die mir bereits in Deutschland kamen, konnten mir die Jungs und Mädels von RGV zügig beantworten. Weiterhin habe ich mir aus der Bibliothek den Reiseführer ausgeliehen und aufmerksam gelesen. Er vermittelt ein recht gutes Bild von Ghana, wobei im Travel Guide hin und wieder auch mal übertrieben wird.

Ein Trip in den Norden des Landes

Zum Städtchen Nkwanta im Norden der Voltaregion stand im Reiseführer, dass die Straßen und Verkehrsverbindungen sehr schlecht seien und man den Weg nur mit Zelt wagen sollte. Ich bin mit meinem Freund Gershon für ein paar wunderschöne Tage dort gewesen. Mit TroTro über Hohoe hin, mit Bus zurück, mit Motorrad in der Umgebung unterwegs. Statt im Zelt haben wir in einem Guesthouse geschlafen. Am ersten Morgen führte mich Gershon auf einem Pfad, der durch viele Pfützen und einen Bach führte, bis zum Haus einer befreundeten Familie. Dort wurden wir mit der typischen ghanaischen Gastfreundschaft empfangen. Im Lauf des Vormittags trafen über 10 Kinder ein. Ein Junge schlachtete einen Hahn. Ein Mädchen setzte sich mit seinen Hausaufgaben zu mir. Die anderen halfen beim Kochen oder bei der Gartenarbeit. Mir wurde ganz selbstverständlich Obst, ein gegrilltes Stück Hahnenherz, Tilapia (der ghanaische Fisch schlechthin) und Reis mit scharfer Soße und Hahnenfleisch serviert. Als wir gegen Mittag aufbrachen, um andere Freunde zu treffen, wurden wir außerdem für die "evening time" zum Fufu eingeladen.

Es gibt viel zu sehen und entdecken

Als ich später auf eigene Faust die Stadt erkundete, traf ich auf viele offenherzige Menschen, fand eine Handvoll gute Freunde und bekam jeden Tag einen Heiratsantrag. Ein Motorradfahrer zeigte mir die Kenteweberei und brachte mir auf dem Fußballplatz das Motorradfahren bei. Ein anderer spazierte mit mir durch die schöne Landschaft und brachte mich u.A. zum Tor des Kyabobo-Nationalparks, wo wir kurz mit dem Direktor schwatzten. Rein gingen wir nicht, da die Mittagssonne gerade auf uns niederprasselte und ich ehrlich gesagt schon in so vielen Nationalparks in Ghana besucht habe. Am besten lassen sich Nationalparks natürlich am Wochenende bereisen. Für den Mole National Park im Norden des Landes sollte man den Montag oder Freitag mit dazu nehmen. Das ist möglich, muss aber auf jeden Fall mit der Praktikumsstelle abgesprochen werden.

Mein Baustellenpraktikum in Ghana

Auch bei meinem Praktikum in Ghana auf der Baustelle in Accra waren die Ghanaer genauso aufgeschlossen und nett zu mir. Es verging kaum ein Tag, an dem keiner der Arbeiter sein Essen mit mir teilte. "Sharing is caring. You’re invited!" Der Bauleiter nahm mich ab und zu mit seinem Auto mit, wenn er etwas zu besorgen oder zu besprechen hatte. Einmal waren wir mit zwei Zimmerleuten unterwegs, um auf der Baustelle seiner Schwester zu helfen. Auf der Rückfahrt lud er uns alle zu Banku und Okro-Stew in eine Chop Bar ein. In meiner Suppe schwammen ein halber Fisch, etwas Fleisch, ein Stück Kuhhaut und eine Krabbe. Bis auf die Krabbe, an die ich mich nicht getraut habe, hat alles sehr gut geschmeckt. Mein Mitarbeiter und Freund Gabriel hat sich schließlich der Krabbe erbarmt.

Arbeitsbedingungen auf der Baustelle

Die Arbeit auf der Baustelle war mitunter hart: Es gab keine Maschinen, sodass Holz, Zement, Sand und Wasser per Hand bzw. auf dem Kopf in die dritte Etage gebracht wurden. Als das Dach noch nicht fertig war, gab es kaum Schatten zwischen 11 und 13 Uhr. Häufig haben die Arbeiter dann eine Mittagspause eingelegt. Feste Arbeitszeiten gab es nicht; es wurde gearbeitet, bis das Tagesziel erreicht oder der Mörtel aufgebraucht war. Einmal war der Zement alle, sodass die Arbeiter schon am Nachmittag gingen. Ein anderes Mal streikten manche, weil sie sich über zuviel Sonne beschwerten! Jeder Putzer hatte einen eigenen Betonmischer, der ihm mit der Schaufel den Putz anrührte. Die Jungs, die diesen schweren Job hatten, waren um die 20 Jahre alt. Sie verdienten mit dieser Arbeit Geld für ihre Senior High School (Klasse 10-12). Gershon war einer von ihnen. Als Gazo und er sich gerade eine Pause gönnten, brachten sie mir bei, wie man Azonto tanzt.

Meine Tipps für Dein Praktikum

  • Nimm dir ein Schlafsack-Inlett mit! Das fand ich angenehmer, als zwischen 2 Bettlaken zu schlafen. Das ist aber Geschmacksache!
  • Versuche, so wenige Erwartungen wie möglich an deine Reise nach Ghana zu haben. Es kommt sowieso alles anders als man es sich vorstellt! Man muss in Ghana gewesen sein, es ist alles anders.
  • Versuche, genauso aufgeschlossen, fröhlich und entspannt wie die Ghanaer zu sein! Dadurch findest du schnell Freunde und kannst ungewohnte Situationen besser meistern. Manchmal musste ich auch über meinen Schatten springen, z.B. bei der Benutzung einer öffentlichen Damentoilette.
  • Nimm dir für ein Praktikum oder für eine Freiwilligenarbeit in Ghana max. 1-2 Freunde mit, denn dann habt ihr intensivere Erlebnisse und mehr Kontakt zur Bevölkerung.
  • Und was ich am Wichtigsten finde: Finde so schnell wie möglich Kontakte zu den Menschen vor Ort! Sie bringen dir so viel über ihre Kultur und das Leben in Afrika bei.

Erfahrungsbericht Baustellenpraktikum in Ghana von Anna Teresa G.

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Bildergalerie

Arbeit auf der Baustelle in Ghana
Arbeit auf der Baustelle in Ghana
Hoch hinaus mit dem Bau-Praktikum in Ghana
Hoch hinaus mit dem Bau-Praktikum in Ghana