Türkei

Länderinfos über die Türkei

Istanbul, das „New York des Ostens“, Antalya mit Stränden wie aus dem Bilderbuch, die faszinierende Mondlandschaft Kappadokiens… Die Türkei hat viel zu bieten! Naturliebhaber kommen im artenreichsten Land des Nahen Ostens voll auf ihre Kosten. Kulturbegeisterte werden sich an den 11 UNESCO-Weltkulturerbestätten gar nicht sattsehen können… Eine Reise ist die Türkei allemal Wert!

... in der Türkei …? Vielleicht wunderst du dich über die Idee, in der Türkei tätig zu werden und denkst „die Türkei ist doch gar kein Entwicklungsland…“ – Das ist nicht ganz richtig: Die Türkei zählt nach wie vor zu den Empfängern internationaler Entwicklungshilfegelder, denn die östlichen Regionen blieben vom allgemeinen Aufschwung der vergangenen Jahre weitgehend ausgeschlossen. Aber nicht nur im Osten des Landes stellt Armut ein Problem dar. Die Zahl der Benachteiligten und Hilfe Bedürftigen ist auch in den bessergestellten Regionen groß. Geringe Einkommen und hohe Lebenshaltungskosten führen hier viele Familien in die Verschuldung.

Auslandsaufenthalt in der Türkei

Länderinfo Türkei

Allgemeines

Die Türkei ist das einzige Land der Erde, das sich über zwei Kontinente erstreckt. Der europäische Teil wird Thrakien genannt, der weitaus größere asiatische Teil Anatolien. Getrennt werden beide Teile durch die Meerenge des Bosporus, der mitten durch die 14-Millionen-Einwohner-Stadt Istanbul verläuft. Das Land grenzt an insgesamt 8 politisch und kulturell sehr unterschiedliche Nachbarstaaten und 3 Ozeane (Ägäis, Mittelmeer, Schwarzes Meer). In der Hauptstadt Ankara leben ca. 5 Millionen Menschen. Die Türkei ist seit der Staatsgründung 1923 durch Kemal Atatürk offiziell eine Republik mit der Staatsform einer parlamentarischen Demokratie. Der aktuell amtierende Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan regiert das Land mit einer zunehmenden Machtfülle, was von Teilen der Bevölkerung stark kritisiert wird.

Landschaft und Klima in der Türkei

Die Türkei ist etwa doppelt so groß wie Deutschland und weist eine erstaunliche landschaftliche Vielfalt auf. Die Marmararegion im Norden Anatoliens und der Küstenstreifen am Schwarzen Meer sind hügelig, großflächig bewaldet und fruchtbar. Hier eingebettet liegt der asiatische Teil Istanbuls und damit einer unserer türkischen Projektstandorte. In Istanbul erwarten dich bereits ab Mai sommerliche Temperaturen über 20 °C, die im Juli und August auf bis knapp über 40°C ansteigen können. Auch in den Wintermonaten fallen die Temperaturen nur selten unter den Gefrierpunkt.
In der ostanatolischen Hochgebirgslandschaft prangt der höchste Berg der Türkei, der Ararat. Von Dezember bis April ist hier mit großen Schneemengen zu rechnen.
Im zentralanatolischen Binnenland, wo Steppe vorherrscht, liegt Kappadokien, eine Vulkanlandschaft mit faszinierenden Tuffsteingebilden und Höhlenformationen.
An der Mittelmeer- und Ägäisküste, wo Sandstrände und durchschnittlich 300 Sonnentage im Jahr viele Urlauber anlocken, sind die Sommer sehr heiß und die Winter mild. An unserem Einsatzort Kaş, der zwischen Antalya und Dalaman liegt, kannst du daher das ganze Jahr über tauchen.

Bevölkerung und Sprache in der Türkei

Die Türkei ist ein Vielvölkerstaat. Die Volksgruppe der Türken nimmt mit 70 – 80 % den größten Teil der Gesamtbevölkerung ein. Danach folgen die Kurden mit etwa 20 %. Jeweils in geringer Zahl vertreten sind zahlreiche weitere Minderheiten. Von den jahrhundertelang in Kleinasien vorherrschenden Griechen ist nur noch eine kleine Gruppe verblieben. Auch die Zahl der Armenier beläuft sich in der heutigen Türkei auf nur noch ca. 60.000.
Ähnlich verhält es sich mit der Sprachverteilung: Die Amtssprache Türkisch dominiert, gefolgt von Kurmancî (Nordkurdisch) und zahlreichen Minderheitssprachen. Mit unseren Teams in Istanbul und Kaş kannst du dich auf Englisch verständigen, mit manchen Mitarbeiter/innen auch auf Deutsch. Deutsch erfreut sich seit einer Schulreform (ab 2001) zunehmender Beliebtheit unter den türkischen Schüler/innen und wird an den Gymnasien verstärkt als zweite Fremdsprache angeboten.
Seit der Staatsgründung 1923 ist die Bevölkerung der Türkei von ca. 14 Millionen auf ca. 77 Millionen herangewachsen. In jüngster Zeit ist die Geburtenrate aber insbesondere im Westen des Landes stark rückläufig. Das Durchschnittsalter liegt bei 30 Jahren, was verglichen mit den meisten übrigen europäischen Ländern ein niedriger Wert ist.

Religion in der Türkei

Etwa 99 % der Türken sind Muslime. Die Mehrheit gehört der sunnitischen Ausrichtung des Islam an. Schätzungen zufolge sind zwischen 15 und 25 % der Bevölkerung alevitischen Glaubens. Außerdem sollen etwa 60.000 armenische Christen, 24.000 Christen anderer Konfessionen, 23.000 Juden, sowie 10.000 Bahai im Land leben. Die heutige Türkei war lange Zeit ein Zentrum des Christentums und hat eine sehr wechselvolle Religionsgeschichte hinter sich. Spuren dieses christlich-islamischen Wechselspiels kannst du in Istanbul unter anderem am Beispiel der Hagia Sophia nachverfolgen, die du unbedingt besichtigen solltest. Aber auch in Kaş erinnern mehrere Sakralbauten daran, dass der Islam nicht immer die vorherrschende Religion war.
In der Türkei sind Staat und Religion strikt getrennt. 1928 wurde der Islam als Staatsreligion abgeschafft – seither garantiert die Verfassung Religionsfreiheit. Für religiöse Minderheiten gilt diese aber nur bedingt: Im Vergleich zum staatlich geförderten Islam werden sie zum Teil benachteiligt. Dieser Trend nimmt seit der Regierungsübernahme durch die AKP (Adalet ve Kalkınma Partisi = Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung) im Jahre 2002 zu.

Zur Geschichte der Türkei

Die Türkei ist als Nachfolgestaat aus dem Osmanischen Reich (1300 bis 1923) hervorgegangen, welches zu Zeiten seiner maximalen Ausdehnung (16. Jhd.) von Mitteleuropa im Norden bis zum Jemen im Süden, von Algerien in Westafrika bis an das Gebiet des heutigen Russlands reichte. Im 17. Jahrhundert begann dann der schleichende Niedergang dieses Imperiums.
Im Ersten Weltkrieg kämpften die Osmanen an der Seite von Deutschland, Österreich-Ungarn und Bulgarien. Auch innerhalb des Reiches gab es zu dieser Zeit Kampfhandlungen und Vertreibungen, unter denen insbesondere die Volksgruppe der Armenier zu leiden hatte. Der Plan der Siegermächte von 1918, das osmanische Großreich unter sich aufzuteilen, scheiterte am Widerstand der Türken. Am 29. Oktober 1923 rief Mustafa Kemal Pascha die Republik Türkei aus und gilt seither als Gründervater des Landes („Atatürk“= Vater der Türken).
Mit Atatürk setzte ein radikaler politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wandel ein: Er reformierte die Republik nach dem Vorbild der europäischen Staaten nach demokratischen Prinzipien. Parallel zu diesem fortschrittlichen Strukturwandel verlief aber im Inland die militärische Unterdrückung der kurdischen Minderheit, ihre ethnische Eigenheit wurde geleugnet. Die folgenden Jahrzehnte waren durch große politische Instabilität zwischen Demokratie und Militärdiktatur geprägt. Mit der Jahrtausendwende wurde dann ein Demokratisierungs- und Modernisierungskurs eingeschlagen. Neben kleinen Schritten der Annäherung an die Armenier und Kurden bereitet sich das Land auf den beabsichtigten EU-Beitritt vor.

Aktuelle Politische Lage und Sicherheit

Die Region um Kaş an der Südküste der Türkei und auch Istanbul samt Umgebung sind seit Jahrzehnten beliebte Urlaubsziele. In jüngster Vergangenheit kritisieren Menschenrechtsorganisationen jedoch mehrfach die zunehmende Einschränkung von Bürgerrechten, wie z.B. der Versammlungs- und Pressefreiheit. Die Bevölkerung reagiert hierauf mit Demonstrationen und Protestaktionen. Die Proteste gegen das Bau-Projekt auf dem Gelände des Gezi-Parks aus dem Jahr 2013 sind ein Beispiel hierfür. Auch die zum Teil gewaltsam ausgerichtete Auseinandersetzung mit der kurdischen Minderheit ist ein bis heute anhaltendes Problem. Im Hinblick auf die aktuelle politische Situation sieht RGV derzeit (Stand September 2017) von Projektplatzierungen in Istanbul ab. Auch die Grenzregionen zu den Nachbarländern gelten als unsichere Reiseregionen. Über konkrete Sicherheitsrisiken informieren dich die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes unter www.auswaertiges-amt.de.

Die Region um unseren Projektstandort Kaş jedoch gilt aus unbedenklich. Deinem Einsatz an der lyrischen Küste steht also nicht entgegen! Was du als Volunteer in Kaş dennoch konkret beachten solltest, erfährst du in deinem Orientierungs-Programm zu Beginn deines Volunteering.

Kulturelle Besonderheiten

Kulturelle Besonderheiten Türkei

Nicht zuletzt die Verwurzelung in islamischen Traditionen macht die Türken zu außerordentlich gastfreundlichen Menschen. Wer einer Einladung folgt, darf sich auf mehrgängige Gerichte und ein Überangebot an Speisen und Getränken freuen. Abgerundet wird jedes Mahl dann natürlich mit einem Glas wohltuenden Çay (Tee) – dem „Nationalgetränk“ der Türken.
Bei der privaten wie auch der ‚offiziellen’ Kommunikation vermeidet man in der Türkei tendenziell Kritik und die direkte Konfrontation. Eine Ablehnung oder Einwände solltest du daher mit Bedauern und Begründung erläutern.
Körperkontakt, Wangenküsse zur Begrüßung oder eingehaktes Spazierengehen sind auch unter gleichen Geschlechtern üblich. Wenn hingegen Frauen bei der Begrüßung den Händedruck verweigern, geschieht dies nicht aus Ablehnung oder Unhöflichkeit, sondern hat traditionelle Hintergründe. Durch dein freundliches Zunicken kannst du diese Situation meistern.
Gut zu wissen: Der männliche Bart ist häufig ein Hinweis auf Religiosität, ebenso wie das Kopftuch oder eine Verschleierung bei der Frau. Strenggläubige Männer tragen häufig Vollbart und ein Schnurrbart kann auf eine konservative Einstellung hinweisen.

(Quellen für die Länderinfos über die Türkei: hdr.undp.org, auswaertigesamt.de, berlin.institut.org, bpb.de, bmz.de, cap-lmu.de, cia.gov, giz.de, de.statista.com, reise-klima.de)