Volunteering im Straßenkinder Projekt in Ghana Erfahrungsbericht

Erfahrungen im Straßenkinder Projekt in Accra und nützliche Tipps für Ghana

Reisevorbereitungen

Nun möchte ich hier auch mal von meiner Zeit in Ghana berichten: Ich habe 6 Wochen lang in Accra gewohnt und dort im Straßenkinder Projekt gearbeitet. In der Zeit vor meinem Abflug habe ich mich hauptsächlich um meine Gesundheitsvorsorge (Impfungen und Tabletten gegen Tropenkrankheiten) gekümmert und in meinem Reiseführer die Seiten über Land, Kultur, Geschichte und Sprache gelesen – und natürlich war ich auch sehr aufgeregt wegen dem, was mich erwarten würde.

Ankunft in Ghana

Und dann saß ich auch schon im Flugzeug…. Die erste Woche nach meiner Ankunft wurde ich, wie versprochen (fast pünktlich) abgeholt und konnte die ersten zwei Nächte erst mal bei Mama Mina schlafen. Für mich war es in der ersten Woche ziemlich schwer mich einzuleben, weil es einfach ganz anders ist als in Deutschland – das war mir natürlich vorher klar, aber wenn man dann wirklich vor Ort ist muss man sich doch erst mal an alles gewöhnen.

Obwohl wir wirklich interessante Dinge machten (Stadtführung, Trommeln, Kochen,…) war ich noch nicht so ganz angekommen. Nachdem ich dann aber die erste Nacht bei der Gastfamilie verbracht hatte und mein Projekt kennen gelernt hatte, fühlte ich mich viel besser und schon fast wie zu Hause!

Das Straßenkinderprojekt: Die beste Wahl!

Das Straßenkinder Projekt findet direkt in Mama Minas Garten statt und wird hauptsächlich von den Volunteers gestaltet und am Leben gehalten. Die Kinder werden dort in vier Klassen aufgeteilt und dann in Mathe und Englisch unterrichtet. In den Pausen bereiteten wir dann Aufgaben für die Kinder vor und spielten natürlich auch mit ihnen – es ist wirklich erstaunlich, wie erfinderisch die Kinder sind und mit was für einfachen Spielen sie sich stundenlang beschäftigen können. Ich lernte zum Beispiel von den Mädchen ein Hüpf- und Klatschspiel, das in Ghana jedes Kind zu kennen scheint und das auch wirklich lustig ist! Nach dem Unterricht gab es ein Mittagessen für die Kinder und dann gingen sie um circa 13 Uhr wieder nach Hause.

Das Straßenkinder Projekt war wirklich perfekt für mich und ich hätte keine bessere Wahl treffen können!

Meine Gastfamilie

Ich habe während meines Aufenthalts bei Mama Grace gewohnt, etwa 5 Minuten von Mama Mina entfernt. Das war ganz praktisch, da ich ja bei ihr Frühstück und Abendessen bekam und mein Projekt ja auch direkt dort war. Mama Grace ist eine sehr nette ältere Frau und bei ihr im Haus wohnten, als ich dort war, noch eine ihrer Töchter und ihre Enkelin Mame Yaa. Mein Zimmer teilte ich mit noch einem anderen Volunteer – wir hatten ein riesiges Doppelbett, eine kleine Kommode und zum Glück einen Ventilator. Mame Yaa kam uns öfters mal in unserem Zimmer besuchen, wenn wir da waren und redete mit uns – sie ist super!

Auch das Bad ist sehr sauber bei Mama Grace (was keine Selbstverständlichkeit in Ghana ist), nur gibt es kein fließendes Wasser. Das ist aber nicht weiter schlimm und kein Grund zur Sorge, man gewöhnt sich sehr schnell daran! Insgesamt war ich sehr zufrieden mit meiner Gastfamilie und hätte es auch hier nicht besser treffen können!

Ausflüge und Freizeitvergnügen

Unter der Woche (Montag bis Donnerstag) besuchten wir nachmittags öfters mal den Art Market, den Kaneshie Market oder die Osu Mall um uns mit Souvenirs einzudecken (auf den Markets) oder Frozen Yoghurt zu essen. Manchmal blieb man aber auch einfach in Mama Minas Garten sitzen und verbrachte den Nachmittag damit Ananas zu essen und sich zu unterhalten.

An den Wochenenden ging es dann mit dem Trotro in die schönsten Ecken Ghanas: Ich kann vor allem Cape Coast (Kakum National Park, Cape Coast Castle und das Oasis Hotel dort), Ada Foah (wunderschönes Fischerdorf zwischen Volta River und dem Meer – ein Paradies!) und die Volta Region (die Wanderung zu den Wli Waterfalls und das Tafi Atome Monkey Sanctuary) empfehlen!

An meinem letzten Wochenende stand allerdings der tollste Ausflug von allen an: Eine Reise in den Norden! Mit dem Reisebus ging es 12 Stunden lang nach Tamale, von dort auch mit einem Trotro noch mal 2 Stunden nach Larabanga und dann noch mal 30 Minuten zum Mole National Park. Aber die Fahrt hatte sich gelohnt und war gar nicht so schlimm wie es sich anhört. Wir machten insgesamt 4 Safaris dort – eine zu Fuß, eine mit dem Jeep, eine mit dem Kanu und eine Nachtsafari und wir sahen viele Antilopen, Warzenschweine und Affen, darunter einen riesigen Affen. Das Ganze ist auf jeden Fall die Reise wert und lohnt sich sehr!

Tipps und Dinge, die man vorher wissen sollte

Hier will ich noch ein paar Dinge mitteilen, die man vorher wissen sollte und die ich als sehr nützlich erachte:

Smarthpone

Als ich in Ghana war, habe ich mein Smartphone zu Hause gelassen, weil ich dachte, dass es wohl fast nie Strom geben werde und es sich daher nicht lohnt – im Nachhinein würde ich allerdings sagen, dass es sich doch lohnt, weil Stromausfälle nun auch wieder nicht so häufig sind und man ja einfach ein altes Ersatzhandy mit längerer Akkulaufzeit dabei haben kann. Das mobile Internetnetz ist wirklich gut in Ghana und so ein Smartphone erleichtert die Kommunikation nach Hause doch ziemlich!

Stromausfälle

Wenn dann aber doch mal der Strom ausfällt, sollte man eine wirklich helle Taschenlampe haben. Es ist ohne Strom stockdunkel und in den Sommermonaten geht die Sonne abends zwischen 18 und 18.30 Uhr unter.

Obstschäler

Außerdem hätte ich einen Obstschäler als sehr nützlich empfunden, denn Äpfel mit Schale zu essen sollte man vor allem am Anfang besser vermeiden.

Rucksack

Für Ausflüge empfiehlt es sich, einen Rucksack zu haben, in den alles reinpasst, was man so am Wochenende braucht, denn mit mehreren Gepäckstücken ist es oft sehr schwierig durch das Gedränge bei den Trotro Stationen zu kommen.

Deutsche Handykarte

Für mich wäre es außerdem sehr gut gewesen, meine deutsche Handykarte mitzunehmen, um Mama Mina zu erinnern, dass ich am Flughafen bin und gerne abgeholt würde.

Unnötige Dinge Zuhause lassen

Ich persönlich hatte definitiv zu viel Zeug mit, das ich im Endeffekt gar nicht gebraucht habe: Ich spreche hier jetzt nur für mich, aber ich hatte auf jeden Fall zu viel Sonnencreme, Desinfektionsmittel und Klamotten mit (eigentlich habe ich nur die kleinen Fläschchen mit Handdesinfektionsmittel gebraucht!). Den Platz im Koffer hätte ich am Ende gut für die unglaublich viele Souvenirs brauchen können – es gibt dort einfach sooo viele schöne Sachen!

Reiseführer für Ausflüge

Für die Planung von Ausflügen sollte man auf jeden Fall einen Reiseführer haben: Ich hatte den von Bradt, der ist zwar auf Englisch und fast ohne Bilder, aber ich fand ihn sehr gut!

Gastgeschenke

Wenn es um Geschenke (für, in meinem Fall, die Straßenkinder) geht, sollten das möglichst viele kleine Sachen sein, die möglichst alle gleich aussehen (Luftballons, Klebetattoos, Zahnbürsten, Sticker, Kappen,…), weil die Kinder sehr eifersüchtig sein können, wenn einer etwas anderes bekommt, als der andere!

Als Gastgeschenk finde ich im Nachhinein so Sachen wie selbstgemachte Marmeladen, Honig oder etwas aus der Stadt aus der man kommt (Tasse, …) am besten – Körperpflege Produkte, wie Duschgel sind bei einer Gastfamilie mit Kübeldusche eher nicht so optimal…

Auf andere Kultur einstellen

Generell sollte man bedenken, dass man in Ghana nie wirklich sauber ist (ich habe mich am meisten auf eine Dusche gefreut!), Darmprobleme an der Tagesordnung sind und die Ghanaer Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit viel lockerer nehmen.

Fazit meiner Freiwilligenarbeit in Ghana

Doch so ein Freiwilligendienst ist einfach eine tolle Sache, die ich auf jeden Fall noch mal machen würde. Man gewöhnt sich an alles und nachher möchte man fast gar nicht mehr weg. Ghana ist ein tolles Land und die Menschen dort sind sehr aufgeschlossen und freundlich (manchmal auch etwas zu freundlich – so viele Heiratsanträge würde man in Deutschland bestimmt nicht an einem Tag bekommen!). Ich habe meine Zeit in Ghana sehr genossen, auch wenn es nicht immer einfach war – doch gerade die schwierigen Situationen zu meistern ist das, woran man sich nachher am meisten erinnert. Ich habe unglaublich tolle Sachen erlebt und Erfahrungen gesammelt, die ich in Deutschland nie hätte sammeln können!

Volunteering im Straßenkinder Projekt in Ghana Erfahrungsbericht von Swenja G.

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Bildergalerie

Swenja mit einem ihrer Schützlinge
Swenja mit einem ihrer Schützlinge
Straßenkinder beim Spielen im Projekt
Straßenkinder beim Spielen im Projekt
Neue Freundinnen
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