Pflegepraktikum in Tansania Erfahrungsbericht

Medizinisches Praktikum im Krankenhaus in Morogoro

Karibu Tansania

Nach meinem Abitur wollte ich unbedingt nach Afrika und da ich nächstes Jahr auch gerne Medizin studieren würde, dachte ich mir, dass man doch beides verbinden könnte, deshalb habe ich mich für das Pflegepraktikum in Tansania entschieden.

Ankunft in Dar es Salaam und Morogoro

Anfang Oktober ging es dann endlich los! Aidanus holte mich vom Flughafen ab und an den beiden darauffolgenden Tagen erzählte er mir von der tansanianischen Kultur und Geschichte und führte mich in Dar es Salam durch die Stadt. Dann ging es schon los nach Morogoro. Die Busfahrt dauert ca. 4 Stunden, obwohl die Entfernung gar nicht so groß ist, aber der Verkehr ist sehr stockend. Morogoro ist viel ruhiger und beschaulicher als Dar es Salam. Ich persönlich habe mich in Morogoro wohler gefühlt, weil dort alles viel persönlicher ist. Man wird von allen Nachbarn und Händlern immer freundlich gegrüßt und die Dalladallafahrer (Dalladallas sind kleine Busse, in die eben so viele Menschen reinpassen wie einsteigen wollen) wissen immer, wo man gewöhnlicherweise aussteigt. Die Menschen sind sehr gastfreundlich und sagen ganz oft "Karibu Tansania!", was "Willkommen in Tansania" auf Suaheli bedeutet. Auch an das Wort "Mzungu" muss man sich gewöhnen, was "Weißer" oder "Europäer" bedeutet.

Meine Unterkunft vor Ort

Die Unterkunft in Morogoro ist wirklich toll. Man hat ein eigenes großes und schön eingerichtetes Zimmer. Ich hätte da etwas anderes erwartet. Aber es gibt feste Wasserzeiten, an denen man sich eben orientieren muss. Die Lodge hat auch einen schön gestalteten Außenbereich, in dem man abends oder tagsüber sehr gut sitzen kann. Auch die Angestellten sind sehr freundlich. Die Unterkunft ist ungefähr 10 Minuten mit dem Dalladalla von der Innenstadt entfernt, was ich ganz gut finde, weil es dort nicht so hektisch und eng war. In Morogoro gibt es keine Läden für Touristen wie in Dar es Salam oder anderen größeren Städten. Man lernt hier richtig gut das afrikanische Leben kennen.

Ausflüge und Aktivitäten in und um Morogoro

Wir sind zweimal in den Uluguru Mountains gewandert. Das ist ein sehr schöner Ausflug, weil man an vielen kleinen Bergdörfern vorbeikommt und eine schöne Aussicht über Morogoro hat. Außerdem kann man unterhalb eines riesigen Wasserfalls baden. Anschließend sind wir noch traditionell afrikanisches Ugali (Maisbrei) essen gegangen. Und kein Tansanianer hat mir zuerst geglaubt, dass es in Deutschland kein Ugali gibt.

In Morogoro gibt es auch ein paar Bars in die man abends gut gehen kann. Man sollte nachts aber natürlich nicht alleine rumlaufen. Außerdem haben wir noch einen Ausflug in den Mikumi Nationalpark gemacht und der ist wirklich toll! Wir hatten einen Tag lang Safari in einem offenen Auto, sodass wir ganz nah an den Tieren waren, die oft ganz neugierig sind. Manchmal waren wir auch zu nah an den Tieren…Einmal zum Beispiel musste unser Guide wirklich aufs Gas treten, damit wir nicht von einem Elefantenbullen gerammt wurden. Aber alles in Afrika ist eben ein Abenteuer! Der Mikumi Nationalpark ist sehr nahe bei Morogoro (ungefähr 2 Stunden Busfahrt) und es lohnt sich wirklich ihm einen Besuch abzustatten, weil es ein tolles Gefühl ist, die wilden Tiere aus der Nähe beobachten zu können.

Mein Pflegepraktikum im Krankenhaus

Im Krankenhaus wurde ich sehr gut aufgenommen und habe mich mit vielen Krankenschwestern und Ärzten angefreundet. Mit vielen bin ich jetzt noch in Verbindung. Das Krankenhaus befindet sich gleich neben der zentralen Dalladallastation in Morogoro. Leider sprechen alle Patienten natürlich nur Suaheli, deswegen wäre es von Vorteil, wenn man ein paar Suaheli Sprachkenntnisse hätte. Ich hatte keine, aber die Ärzte und Krankenschwestern müssen alles auf Englisch notieren und auch die Patientenübergabe erfolgt auf Englisch. Sonst erklären dir alle gerne das, was du wissen möchtest auf Englisch. Der Direktor des Krankenhauses hat mich immer in Anatomie unterrichtet, wenn ich mal nichts zu tun hatte, was ich wirklich sehr nett von ihm fand. Alle haben sich immer bemüht, dass ich mich dort wohlfühle und mit ins Team eingebunden werde. Mittags essen immer alle zusammen. Man teilt sich oft das Essen mit den anderen und immer jemand anderes kauft ein.

Bei meiner Einsatzstelle handelt es sich um ein kleines, privates Krankenhaus. Das bedeutet, dass die Patienten ihre Medizin und die Behandlung selbst bezahlen müssen. Viele wählen trotzdem ein privates Krankenhaus, weil man dort keine langen Wartezeiten und eine kompetente Beratung hat. Trotzdem entspricht der Standard dieses Krankenhauses natürlich nicht dem eines deutschen Krankenhauses. Es wird manchmal nicht sehr hygienisch gearbeitet und oft sind die Maschinen alt oder eben nicht vorhanden. Es gibt zum Beispiel ein Augentestgerät, bei dem allerdings nur die eine Seite funktioniert und so weiter.

Die Hauptdiagnose lautete Malaria und Typhus. Ich persönlich wusste vorher nicht, dass Malaria in Ostafrika so ein großes Problem ist. Wenn die Patienten aber früh genug behandelt werden und sie keine anderen Erkrankungen wie z.b. AIDS haben, ist Malaria kein großes Problem. Aber vor allem bei Kindern und geschwächten Menschen kann Malaria oft lebensbedrohlich werden. Wir Europäer haben ja noch nie Malaria gehabt und sind deshalb auch anfälliger dafür, deswegen sollte man eine medikamentöse Prophylaxe nehmen (wenn man nicht so lange dort ist) und sich abends immer mit Antimückenspray einsprühen. Zum Abschied haben die Kollegen mir einen Kanga (ein Tuch mit Aufschrift, das die Afrikanerinnen sich oft als Rock umbinden) und eine Karte, auf der alle unterschieben haben und mir das Beste wünschen, geschenkt. Der Abschied von meinen Kollegen fiel mir sehr schwer…

Ausflug auf die Insel Sansibar

Zwischendrin bin ich auch mit ein paar anderen deutschen Mädels auf die Insel Sansibar gefahren. Die Strände von Paje – wo unser Hotel war -, die historische Stadt Stonetown und die Inseln und Delfine waren wirklich sehenswert! Es gibt auf Sansibar sogar einen kleinen Nationalpark, in dem wir einen Mangrovenwald und viele Affen gesehen haben. Auf Sansibar sind 90% der Bevölkerung muslimisch und auf dem Festland sind es ungefähr 40%. Man kann alles auf dem Festland, sowie auf Sansibar in Dollar oder in Tansania Schilling bezahlen. Man lernt im Laufe der Zeit auch das Handeln mit den Verkäufern.

Fazit: Pflegepraktikum in Tansania sehr zu empfehlen!

Insgesamt kann ich jedem empfehlen ein Pflegepraktikum in Tansania zu absolvieren, denn man lernt wirklich viel fürs Leben, wird eigenständiger und erlebt so viele schöne Sachen dort. Das Leben dort ist nicht mit dem europäischen Leben zu vergleichen und deshalb ist es sehr interessant den afrikanischen Alltag und die afrikanische Kultur kennen zu lernen.

Alsoo: Karibu Tansania!

Pflegepraktikum Tansania Erfahrungsbericht von Lina R. 2014