Erfahrungsbericht über die Freiwilligenarbeit mit Kindern in Tansania

Meine Einblicke in vier verschiedene RGV Projekte in Tansania

In den letzten Jahren meiner Schulzeit hatte ich immer den Wunsch, nach dem Abitur für eine Weile ins Ausland zu gehen. Gemeinsam mit einer Freundin, Nina, entschied ich mich dann für Afrika, da wir beide sehr von diesem Kontinent fasziniert waren. Dass die Wahl auf Tansania fiel, lag zum einen daran, dass wir hofften, dort in eine wirklich andere Kultur eintauchen zu können und zum anderen an der unglaublichen Natur in Tansania, mit dem Kilimanjaro, den vielen Nationalparks und dem Insel-Archipel Sansibar.

Wir wollten beide gerne mit Kindern zusammenarbeiten und diese unterrichten, da wir auch in Deutschland ehrenamtlich viel mit Kindern arbeiten und auch der Meinung waren, dass wir an der Arbeit viel Spaß haben würden. Zudem hat uns auch interessiert, wie Kinder in anderen Ländern aufwachsen und unterrichtet werden. Nach einiger Zeit des Recherchierens und Überlegens stand dann für uns fest, dass wir ein halbes Jahr lang, von Anfang November bis Ende April, in Tansania leben würden. Zuerst in Arusha, wo wir in einem Straßenkinderprojekt arbeiteten und dann in Mtwara, wo wir in einer Vor- bzw. Grundschule helfen würden.

Das RGV Vorbereitungsseminar in München

Knapp zwei Monate vor unserer Abreise waren wir noch beim Vorbereitungsseminar in München.

In zwei Tagen hörten wir mehrere Vorträge über Themen, wie die Sicherheit im Ausland, kulturelle Besonderheiten, und den Nutzen von Freiwilligenarbeit. Wir besprachen, wie man ausgerüstet sein sollte, welche Impfungen wichtig sind und lernten die Organisation und die Teams in den Zielländern kennen. Wir hörten auch von den Erlebnissen einer ehemaligen Teilnehmerin, die drei Monate in Uganda verbracht hatte. Daneben hatten wir viel Zeit, alle unsere Fragen zu stellen. Für mich hat sich dieses Seminar sehr gelohnt. Natürlich ist es auch möglich, sich alle nötigen Informationen über das Internet einzuholen, aber ich fühlte mich hinterher bezüglich meines Auslandsaufenthaltes sehr viel sicherer und fand es gut, die Organisation, mit der ich ins Ausland gehen würde, so kennen gelernt zu haben.

Unsere Ankunft in Tansania

Nachdem wir nach einem langen Flug endlich mitten in der Nacht in Dar es Salaam gelandet waren und unser Visum hatten, wurden wir von einem RGV Mitarbeiter mit dem Auto abgeholt und waren nach etwa einer Stunde Fahrt im Student House angekommen. Am nächsten Tag ging Flora, eine weitere Mitarbeiterin von RGV, dann mit uns in die Stadt, wo wir Geld wechseln bzw. abholen und einkaufen konnten, eine tansanische SIM-Karte bekamen und „Chips Mayai“ essen waren. Das ist ein tansanisches Gericht, das in etwa wie mit Ei überbackene Pommes, aber wirklich gut schmeckt. Flora hat außerdem unsere Bustickets gekauft, sodass wir am nächsten Morgen direkt nach Arusha weiterfahren konnten.

Meine Zeit in Arusha

Nach einer etwa zwölfstündigen, leider sehr anstrengenden Busfahrt kamen wir abends in Arusha an. Arusha ist eine Großstadt im Norden Tansanias, in der Nähe des Mount Kilimanjaro und am Fuße des Mount Meru. Abgeholt wurden wir von Caroline, unserer Gastmutter und Larissa, einer Freiwilligen, die bereits eine Woche vor uns angekommen war und zusammen mit uns bei Caroline lebte. Der Empfang war sehr herzlich, wir aßen zusammen zu Abend und lernten direkt ein paar Wörter auf Swahili. Caroline lebt in einem großen und sehr sauberen Haus in einem Stadtteil von Arusha. Tagsüber kommt ihre Haushälterin Mwana mit ihrem zweijährigen Sohn Luke vorbei und kümmert sich um das Essen und das Haus. Ich habe mich bei Caroline direkt wohl gefühlt.

Unsere Projekte in Arusha

Zwei Tage später war dann unser erster Tag in unserem Projekt. Nach einem kurzen Weg zu Fuß und einer etwa einstündigen Fahrt mit einem „dala dala“ (ein Kleinbus) und Bajaj quer durch Arusha waren wir angekommen. Bei dem Projekt handelt es sich um ein kleines „Heim“ für Straßenkinder, in dem die Kinder auch vom Leiter der Einrichtung unterrichtet werden, sofern sie nicht zur Schule gehen können. Entgegen unseren Erwartungen waren dort leider nur Jungen im Alter von etwa 12-24 Jahren untergebracht und nicht sowohl Jungen als auch Mädchen ab sechs Jahren. Die Jungs waren allerdings sehr nett und wir haben uns in den folgenden Tagen viel mit ihnen unterhalten, gespielt und sie in Englisch und Deutsch unterrichtet.

Mit der Zeit hatten wir aber doch das Gefühl, dort nur sehr wenig helfen zu können (zumal viele Kinder vormittags in der Schule waren). Wir sprachen mit RGV und organisierten uns dann vor Ort, mit der Hilfe von Caroline, eine Grundschule, in der wir dann bis zu den Winterferien arbeiteten, in der es mir auch wirklich gut gefallen hat. Unsere Aufgaben bestanden hier vor allem darin, den Lehrern während des Unterrichts zu helfen und die Kinder bei ihren Aufgaben zu unterstützen. In den sehr ausgedehnten Pausen haben wir außerdem viel mit den Kindern gespielt.

Freizeit in Arusha

An den Wochenenden in Arusha haben wir immer etwas unternommen. So waren wir bei den „Hot Springs“ in der Nähe von Moshi, auf einer Kaffee-Tour und an einem Wasserfall am Kilimanjaro, am Lake Chala an der Grenze zu Kenia und vieles mehr. Auch eine Safari haben wir gemacht, vier Tage lang durch die Nationalparks Tarangire, Serengeti und Ngorongoro Crater. Das war ein wirklich unvergessliches Erlebnis! Morgens bei Sonnenaufgang durch die Serengeti zu fahren und die Tiere erwachen zu sehen, gehört wohl zu meinen besten Momenten in Tansania.

Das Leben mit unserer Gastmutter

Bei allem, was wir geplant haben, hat uns Caroline auch immer viel geholfen, da sie viele Kontakte hatte und uns auch viel von früheren Volunteers weitergeben konnte. Insgesamt war das Leben zusammen mit Caroline wirklich unglaublich schön. Ich habe mich bei ihr immer sehr wohl und gut aufgehoben gefühlt. Sie hat uns bei allem geholfen, womit wir zu ihr gekommen sind und stand uns immer zur Seite. Außerdem hat sie uns viel mitgenommen und an ihrem Leben teilhaben lassen. So haben wir ihre Freunde kennen gelernt, waren auf einer Massai-Hochzeit und haben mit ihr zusammen Weihnachten und Silvester gefeiert. Wir haben jeden Abend zusammen gegessen und uns dabei vom vergangenen Tag erzählt, was oft wirklich lustig wurde. Auch den Swahili- Sprachkurs hat Caroline mit uns zusammen gemacht, und auch dieser hat mir gut gefallen. Wir haben viel gelernt und auch mehr über die tansanische Kultur gelernt. Eine bessere Gastmutter als Caroline hätte ich mir wirklich nicht vorstellen können.

Aber auch Arusha an sich hat mir sehr gut gefallen. Es liegt sehr nah an vielen großen Nationalparks (Serengeti, Ngorongoro Crater, Tarangire, Lake Manyara) und am Kilimanjaro und Mount Meru, es gibt dort also ausgesprochen viel zu sehen. Aufgrund dessen ist Arusha aber doch ein wenig touristischer als andere Orte Tansanias, dementsprechend aber auch gut ausgestattet. Es gibt einen großen Supermarkt, mehrere westliche Restaurants und einen großen Markt, auf dem die Massai viele Dinge wie Bilder, Kunstgegenstände, Schmuck und allerlei Anderes verkaufen. Auch abends kann man in Arusha viel unternehmen und trifft dabei auch oft auf andere Volunteers. Meiner Meinung nach ist Arusha eine wirklich gute Stadt um dort als Freiwillige zu arbeiten, mir hat es dort unglaublich gut gefallen.

Zwischenzeit – Reisezeit!

Während wir in Arusha waren, planten wir, nach unserer Zeit dort noch herumzureisen und uns mehr vom Land anzusehen, bevor es für Larissa nach Hause und für mich und Nina weiter nach Mtwara ging. Zwischen Weihnachten und Silvester waren wir erst in Mwanza am Victoriasee und auf der Insel Ukurewe, eine Reise, die sich trotz der 14-stündigen Busfahrt sehr gelohnt hat. Nach Silvester fuhren wir dann weiter östlich an die Küste nach Tanga, wo wir eine Nacht blieben, und dann weiter nach Ushongo, einem winzigen Ort direkt am Meer. Dort blieben wir für fünf Tage in einem von Deutschen geleiteten Feriencamp, wo wir in Strandhütten schliefen. Auch dort hat es uns ausgesprochen gut gefallen. Danach fuhren wir erst weiter nach Dar es Salaam, wo wir eine Nacht blieben und am nächsten Tag mit dem Speedboat auf die Insel Sansibar fuhren. Dort verbrachten wir vier Tage in Jambiani, an der Ostküste, bevor wir zurück in Stone Town auf andere Freiwillige und Flora trafen, mit denen wir die RGV-Sansibar-Tour machten. In fünf Tagen haben wir wirklich viel gesehen: Wir haben uns Stone Town angesehen, waren auf der Full-Moon-Party im Norden Sansibars, im Jozani Forest, wo wir Affen gesehen haben, waren zwei Mal schnorcheln und konnten Delfine im Wasser beobachten.

Mein Projekt in Mtwara

Nach der Sansibar-Tour ging es für uns wieder nach Dar es Salaam und von dort aus mit mehreren anderen Volunteers nach Mtwara. Leider hatten wir aber für die Unterkunft in Mtwara eine falsche Beschreibung zugesandt bekommen, die sich noch auf die alte Unterkunft bezog. So sind wir (bzw. bin ich) mit sehr unpassenden Erwartungen zu der Unterkunft gekommen und waren daher erstmal ziemlich unzufrieden, als wir unsere Unterkunft sahen. Gerechnet hatten wir mit einem Haus, stattdessen war das Student House eher eine geschlossene Ansammlung von kleineren Hütten. Duschen und Toiletten befanden sich auch draußen in Hütten, gegessen wurde im Freien unter einer Dachterasse. Nina und ich hatten außerdem ziemliches Pech mit unserem Zimmer. Geplant war eigentlich, dass wir ein ganz neu gebautes Zimmer bekommen, da die Tansanier aber eher langsam und nicht gerade zuverlässig in ihrer Arbeitsweise sind, mussten wir sechs Wochen warten, bis die Zimmer fertig waren und schliefen bis dahin in einem sehr kleinen Zimmer, das wirklich nicht besonders gemütlich war (inzwischen wohnen in diesem Zimmer aber auch keine Volunteers mehr). Mit der Zeit konnten wir uns mit den Gegebenheiten vor Ort aber doch arrangieren. Für uns stand nur fest, dass wir dort ungern den Rest unserer Zeit in Tansania verbringen wollten und wir wandten uns wieder an RGV. Schlussendlich bekamen wir dann die Möglichkeit, für die letzten sieben Wochen auf Sansibar zu arbeiten, worüber wir uns sehr freuten.

Mein Projekt in Mtwara hat mir allerdings sehr gut gefallen. Ich war in einer Montessori-Vorschule in der „Babyclass“ (die Kinder waren drei bis fünf Jahre alt). Anfangs half ich nur der Lehrerin, die die Klasse leitete, nach kurzer Zeit durfte ich allerdings den Englisch- und Sachkundeunterricht selbst übernehmen und vorbereiten, was mir großen Spaß gemacht hat. Außerdem habe ich für die Klasse nach der Arbeit viele Plakate vorbereitet. Pausen zum Spielen gab es in dieser Schule allerdings kaum, nur eine kurze Frühstückspause, in der alle Kinder Brot und Tee bekamen und am Ende das Mittagessen, was meistens aus Reis oder Ugali (eine Art fester Maisbrei) und Bohnen bestand. Die Kinder waren ihrem Alter entsprechend auch teilweise noch sehr unruhig und unkonzentriert, was das Unterrichten teilweise wirklich anstrengend gemacht hat, aber trotzdem waren sie alle sehr, sehr lieb. Ich war wirklich traurig, als ich die Schule dann verlassen musste, um nach Sansibar aufzubrechen.

Ein letztes Projekt auf Sansibar - eine Grundschule

Der letzte Teil meines Aufenthaltes führte uns also nun wieder nach Sansibar, wo es mir während unseres Reisens schon sehr gut gefallen hatte. Untergebracht waren wir in einer Wohnung mitten in Stone Town zusammen mit anderen Volunteers. Die Unterkunft dort war echt gut, es gab warmes Wasser und gegen eine geringe Gebühr sogar eine Waschmaschine. Auch das Zusammenleben mit den anderen Freiwilligen war schön und wir konnten viel zusammen unternehmen und gemeinsam die vielen Strände Sansibars erkunden.

Mein Projekt auf Sansibar hat mir auch wieder gut gefallen. Zusammen mit Nina und einer weiteren Freiwilligen haben wir in einer Grundschule am Stadtrand von Sansibar-Stadt eine eigene Klasse übernehmen können, in der wir den zehn- bis zwölfjährigen Kindern (hier die dritte Klasse) überwiegend Englisch und Mathematik beibrachten. Allgemein ist Sansibar eine sehr schöne Insel, die sich auch deutlich vom Festland unterscheidet. Natürlich ist es auch wesentlich touristischer und auch etwas teurer, was mich aber nicht sonderlich gestört hat. Durch die Geschichte Sansibars gibt es viele schöne Gebäude in Stone Town, und die Insel hat eine ganz besondere Atmosphäre. Ich hoffe ich kann irgendwann wiederkommen!

Mein persönliches Fazit

Insgesamt hat mir mein Aufenthalt in Tansania sehr gut gefallen. Es war eine unvergessliche Zeit. Man lernt, sich neuen Herausforderungen zu stellen und sich in eine anfangs so fremde Kultur einzuleben. Das Leben dort ist ganz anders als das Deutsche, genauso wie die Mentalität der Menschen und man muss sich daran gewöhnen, dass manche Dinge anders verlaufen als Zuhause. Man muss Flexibilität und Offenheit mitbringen, um sich hier einleben zu können. Ich habe während meiner Zeit in Afrika viel erlebt, gelernt und erfahren. Es war ein Erlebnis, dass ich wahrscheinlich mein ganzes Leben lang nicht vergessen werde.

Ein Erfahrungsbericht von Miriam S., die von November 2016 bis April 2017 in verschiedenen Schulprojekten in Tansania unterstützte.

Zum Projekt

Bildergalerie

RGV Volunteer Miriam mit einigen ihrer Schüler
RGV Volunteer Miriam mit einigen ihrer Schüler
Die Grundschüler beim Spielen
Die Grundschüler beim Spielen
Eine gesunde Mittagspause für die Kinder
Eine gesunde Mittagspause für die Kinder