Erfahrungsbericht aus einer Schule in Thailand

Anreise nach Bangkok

Berlin Hauptbahnhof, 10. Juli 2016, 2:33 Uhr. Das Abenteuer beginnt. Mit dem ICE geht’s zum Flughafen nach Frankfurt. Abflug 11:30 Uhr. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Katar lande ich in Bangkok. Nach bangen Minuten des Wartens sehe ich meinen Koffer, nehme ihn vom Band und laufe in Richtung Ausgang. Der erste Moment außerhalb des klimatisierten Flughafens ist, ja, ich denke "gewöhnungsbedürftig" trifft es am besten. Lektion 1 gelernt: Das Klima ist nicht das gleiche wie in Deutschland. Ok, war zu erwarten.

Ich fahre mit dem Taxi zu meinem Hotel. Um nicht ganz so hart zu fallen auf dem "fremden Territorium" habe ich mir von Deutschland aus ein etwas besseres Hotel gebucht. Erst mal duschen. Ich bin todmüde von den knapp 20 Stunden Reisezeit. Doch einfach so schlafen, denke ich, kannst du jetzt nicht bringen. Du willst etwas erleben!

Mein erster Streifzug durch Bangkok

Raus aus dem Hotel, laufe ich blind durch Bangkok. Es ist etwa 18 Uhr. Die Economy Class hat meinem alten Rücken, ich bin 23, einiges abverlangt. Nach meiner ersten Thai-Massage, und ja es war schmerzhaft, laufe ich weiter durch diese unglaubliche Metropole. Ich bin definitiv in einer anderen Welt. Am Straßenrand spricht mich Wam an, fragt mich mit seinem brüchigen Englisch, wie es mir geht und ob er mir die Stadt zeigen soll. Und schneller als gedacht sitze ich auf einem Roller und fahre quer durch Bangkok. Keine Ahnung, wohin er uns fährt. Ich genieße die warme Brise. Und da habe ich auch schon Lektion 2 gelernt: Der Verkehr hier hat definitiv andere Regeln als in Deutschland. Es wird die ein oder andere Bar, der ein oder andere Club besucht. Spät in der Nacht lande ich total erschöpft in meinem Bett und freue mich auf den nächsten Tag.

Der Bus-Transfer nach Chumphon

Ich wache auf, genieße ein ausgiebiges Frühstück auf dem Dach des Hotels. Der Koffer ist gepackt, das Taxi steht bereit. "Zum Southern Bus Terminal, bitte." Dort angekommen kaufe ich mir ein Busticket, schaue auf die Uhr und merke, dass ich vom Schalter zum Bus noch genau 120 Sekunden habe. Ich renne los, die Rolltreppe hoch. Ich meine, da wurde "Zu den Bussen" angeschrieben. Ich sollte mich irren. Rolltreppe wieder runter und über eine Rampe zu den Bussen. Ich sehe meinen Bus, der Motor läuft schon, die Türen gehen gerade zu. Ich winke wie ein Verrückter und zum Glück bemerkt er mich, packt meine Sachen ein und los geht’s. Ziel: Chumphon. Lektion 3: Mit der Zeit nehmen es die Thais nicht so genau wie manch ein Erbsenzähler bei uns zu Hause.

Meine Unterkunft in Chumphon

Einige Stunden später stehe ich vor dem Rathaus in Chumphon. Die Frau von Frank hat mir ein Taxi organisiert, das mich zu meiner Unterkunft bringt. Eine nette Wohnung. Mein neuer Mitbewohner für die nächsten Wochen heißt Anton. Wir verstehen uns super und er erzählt mir von seinen bisherigen Erfahrungen. Es ist definitiv zu empfehlen, bei solchen Erzählungen genau hinzuhören.

Ich gehe ins Bad und suche vergeblich ein Waschbecken. Ich sehe die Toilette und suche vergeblich die Spülung. Ich bin nicht schockiert, ich nehme es an und beobachte, wie ich mich diesen Umständen anpasse. Lektion 4: Die Sanitären Anlagen sind nicht die gleichen wie bei uns in Deutschland. Zumindest nicht in Chumphon. Abends sitzen wir Volunteers beim Essen im "Riverside Garden" zusammen und arbeiten das Smalltalk-Programm "Wie alt bist du? Woher kommst du? Wie lange bist du (schon) hier?" ab. Naja, gehört eben dazu, man lernt sich kennen.

Orientierungs-Programm auf dem Roller

Tags darauf lerne ich Frank kennen. Unser Ansprechpartner, unser Papa, so weit entfernt von Zuhause. Wir setzen uns auf den Roller. Da ich schon in Deutschland lange Roller gefahren bin, fallen die Fahrstunden weg. Wir sind etwa 3 Stunden unterwegs. Gar nicht so einfach, sich auf den Verkehr zu konzentrieren bei den ganzen Eindrücken, die auf einen herein prasseln. Frank ist ein super Typ, zeigt uns alle wichtigen Plätze. Ich weiß, wo der Supermarkt ist, wo der Strand ist und wie ich wieder nach Hause komme. Lebensgefahr besteht keine.

Meine Freiwilligenarbeit in der Schule

Montagmorgen 8:00 Uhr. Erster Tag in der Schule. Zusammen mit den Lehrern frühstücken wir. Es fühlt sich mehr an, als ob Freunde zusammensitzen. Nur eben in Uniform. Es wird viel gelacht. Man fühlt sich wohl, auch wenn die Verständigung herausfordernd ist. Man spürt die Wärme, die von den Menschen ausgeht. Die Kinder begrüßen mich mit High Fives und da sitze ich auch schon in der 5. Klasse der Schule. Ich bin jetzt Lehrer. Englisch steht auf dem Stundenplan. Ja, wie bringt man kleinen thailändischen Kindern eine fremde Sprache bei, ohne die Ihrige zu sprechen? Erster Gedanke: Keine Ahnung. Zweiter Gedanke: Challenge Accepted. Lasst die Spiele beginnen.

Das Lehrerdasein gefällt mir. Man freut sich jeden Tag auf die Schule, vor allem auf die Kinder. Wir spielen viel Basketball, die Körbe sehen jedoch aus als ob sie ein Lifting gebrauchen könnten. Nicht zu vergessen lernen wir natürlich Englisch. Es wird. Stück für Stück. Schritt für Schritt. Wie man sich begrüßt? Check. Wie man sich verabschiedet? Check. Wie es einem geht? Check. Wir kommen voran.

Neue Basketballkörbe für die Schüler

Die Tage ziehen ins Land, jeder einzelne für sich ist unglaublich schön. Wie wäre es eigentlich damit, neue Basketballkörbe zu bauen? Ich spreche den Rektor darauf an, der sofort einwilligt. Ich freue mich darauf, nicht wissend was ich mir da eingebrockt habe. Lektion 5: Einen Baumarkt, Material und Werkzeug zu finden ist nicht so einfach wie in Deutschland. Ohne ausschweifen zu wollen: Im Baumarkt gab es kein Holz, das Werkzeug hatte ich von einer Autowerkstatt am Straßenrand geliehen. Man hilft sich, ist füreinander da. Das Ergebnis konnte und kann sich sehen lassen.

Auf zur Vollmondparty nach Koh Phangan!

Mitte Juli. Gegen 22:30 Uhr laufen wir zur Nachtfähre, die uns nach Koh Tao bringt. Von dort aus geht’s weiter nach Koh Phangan, wo wir die Full Moon Party besuchen. Ich erlebe ein anderes Thailand. Hier ist alles sehr touristisch veranlagt, viele Amerikaner, Australier und natürlich auch Deutsche. Auch schön, nur eben anders. Die Party war unglaublich. Es geht zurück nach Chumphon wo sich erst einmal ausgeschlafen wird.

Das Essen in Thailand

Abends fahre ich spontan mit meinem Mitbewohner auf den Nachtmarkt, wie sowieso fast jeden Abend. Selbst gekocht habe ich nie. Ich esse jeden Tag etwas Anderes. Ich erlebe Überraschungen und meine mich mit Thais in Sachen "scharf essen" messen zu müssen. Nicht zu empfehlen. Aber eine Erfahrung, an die ich noch lange denken werde. Lektion 6: Das Essen kann sehr scharf sein. Anschließend fahre ich an den Strand und genieße den Abend bei einer kalten Cola und einem Buch.

Wenn es Abschied nehmen heißt

Schneller als gedacht sind die 6 Wochen auch schon vorbei. Der letzte Tag in der Schule steht auf dem Programm. Ich verabschiede mich von der ersten Klasse, von der zweiten und lasse bei den anderen Klassen die Sonnenbrille lieber unten. Es ist sehr emotional. So kenne ich mich nicht. Das zeigt, wie lieb man diese Menschen in so kurzer Zeit gewonnen hat. Das viele Lachen, das tägliche Beisammensein, die ganzen Kinder wie sie „Teacher Teacher“ rufen. Eine wunderbare Erinnerung, an die ich noch heute sehr oft denke.

Mein letzter Tag in Bangkok und die Heimreise

Der Bustransfer zurück nach Bangkok verläuft genau so reibungslos wie 6 Wochen zuvor. In Bangkok lasse ich noch eben einen Anzug und ein paar Hemden schneidern. Nur zu empfehlen. Super schnell und maßgefertigt. 3 Stunden später wird mir alles ins Hotel geliefert. Noch eben im MBK vorbeigeschaut und eine Bootstour gemacht, die ich nach langen Verhandlungen auf knapp die Hälfte des ursprünglichen Preises drücke. Lektion 7: Zahle nicht immer sofort den erstgenannten Preis. Zumindest nicht in Touristenmetropolen. Ich packe langsam meine Sachen und mache mich per SkyTrain auf den Weg zum Flughafen. Dieses Mal nicht mit dem Taxi. Man steht einfach zu viel, kommt kaum vorwärts.

In Erinnerungen schwelgen

Ich beobachte wie die Bilder, die frischen Erinnerungen in meinem Kopf das Kommando übernehmen. Vor allem der letzte Morgen. Ich stehe um 5 Uhr auf, mache mich auf zum Strand. Ich bin ganz alleine und sitze dort über zwei Stunden. Nichts außer mir, einem kleinen Fischerboot und dem unglaublichen Sonnenaufgang. Ein Moment voller Ruhe, voller Ausgeglichenheit. Lektion 8: Frühes Aufstehen kann wunderbar sein.

Mein Fazit zur Freiwilligenarbeit in Thailand

Ich bin unglaublich glücklich all diese Erfahrungen gemacht zu haben. Danke an Frank und Noo, die immer für einen da waren, danke an die anderen Volunteers, mit denen man tolle Erlebnisse hatte und vielen Dank an das gesamte RGV Team für die super Organisation!

Erfahrungsbericht aus einer Schule in Thailand von Philipp N., 25.01.17

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Bildergalerie

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