Erfahrungsbericht aus der Kreativwerkstatt in Namibia

Eine andere Art Bildungssemester

Als Lehrerin für Textiles Werken habe ich dieses Projekt als Teil meines Bildungssemesters ausgewählt. Ich war auf der Suche nach handwerklicher Arbeit, verbunden mit einem sinnvollen Zweck und einem Einblick in die afrikanische Kultur. Das Frauenprojekt hat meine Erwartungen in jeglicher Hinsicht bei weitem übertroffen!

Mein Einstieg in die Kreativwerkstatt

Von Kauna, der Leiterin, wurde ich an meinem ersten Arbeitstag herzlich empfangen. Sie zeigte mir den ganzen Betrieb mit den Arbeitsabteilungen: Die Töpferei, das Glas-Recycling, die Näherei und die Batikfärberei. Es gehören ebenfalls ein Restaurant und ein Shop für Besucher zur Anlage. Ich durfte mitbestimmen, in welchen Bereichen ich gerne mitarbeiten wollte. Schlussendlich verbrachte ich zwei Wochen mit Batikfärben und je eine Woche in der Töpferei und beim Glasrecycling.

Meine Arbeit im Projekt

Das handwerkliche Arbeiten hat mir großen Spaß gemacht! Ich habe unglaublich viel gelernt und werde das eine oder andere bestimmt zu Hause auch ausprobieren. Mein Einsatz dauerte leider nur 4 Wochen. Trotzdem war ich eine willkommene Arbeitskraft. Um eigene Ideen einzubringen ist diese Zeit zu kurz. Da ausschließlich „Fachfrauen“ vor Ort sind und das Projekt bereits seit 25 Jahren nach und nach aufgebaut wurde, ist es sehr gut organisiert. Die hergestellten Gegenstände verkaufen sich im Shop und auf diversen Märkten sehr gut. So kommen auch immer wieder angemeldete Touristengruppen oder verschiedene Gäste vorbei und schauen sich im ganzen Betrieb um. Je länger ich dort war, desto öfter habe ich deutschen Besuchern eine Führung angeboten. Das Interesse war jeweils sehr groß und für mich eine willkommene Abwechslung im Alltag. Eigeninitiative wird sehr geschätzt.

Kommunikation auf unterschiedlichste Weise

Gute Englischkenntnisse sind sehr hilfreich. Sei es um zu verstehen, was gearbeitet werden muss oder um mit den Frauen ins Gespräch zu kommen. Das Gesprächsinteresse der Frauen ist sehr unterschiedlich. Während sich die einen sehr gerne unterhalten, freudig Auskunft geben und interessiert Fragen zu unserer Kultur stellen, sind andere eher zurückhaltend und unzugänglich. Da ist Feingefühl gefragt! Spannend war auch die Unterhaltung mit den taubstummen Frauen. Mit improvisierter Zeichensprache und schriftlichem Englisch habe ich von diesen Frauen mehr erfahren als ich erwartet hätte.

Eindrücke auf der täglichen Fahrt zu meinem Projekt

Die Arbeitstage begannen für mich immer mit den ca. 20-minütigen Fahrten von der Unterkunft in Windhoek nach Katutura. Die Fahrt und den Kulturwechsel vom „reichen“ Stadtzentrum ins Township zu den Ärmsten der Armen beeindruckten mich bis zum Schluss. Matthew, der Fahrer, war stets zuverlässig und gesprächsfreudig. Von ihm habe ich viel Spannendes und auch Trauriges über das Leben der Schwarzen in den Slums erfahren.

Morgendliches Gebet

Jeden Morgen treffen sich die Frauen vor Arbeitsbeginn im Nähraum zum gemeinsamen Gebet. Dieses Ritual hat mich täglich zutiefst berührt und ich war dankbar, Teil dieser Gemeinschaft zu sein.

Eine andere Art zu leben

Je nach Arbeitsbereich war meine Arbeit körperlich anstrengend, (zum Beispiel beim Färben der Batikstoffe), es war mein handwerkliches Geschick gefragt (beim Bearbeiten der ungebrannten Blumentöpfe) oder ich durfte meine Kreativität ausleben (beim Herstellen des Glasperlenschmucks). Beeindruckt hat mich die geduldige afrikanische Gelassenheit, die Selbstverständlichkeit zwischendurch einfach einmal nichts zu tun und die persönlichen Gespräche mit den Frauen.

Mein Fazit

Meine Zeit in Namibia war für mich etwas vom Eindrücklichsten und Besten, was ich in meinem Leben bis jetzt gemacht habe. Die Arbeit mit den Frauen, die Wochenendausflüge in die wunderschöne namibische Landschaft, die abenteuerlichen Tiersafaris und auch der Austausch mit den anderen Volontären waren eine unglaubliche Bereicherung für mich. Diese Zeit hat für immer Spuren in meinem Leben und meinem Herzen hinterlassen.

Ein Erfahrungsbericht von Anita H., die von April 2017 bis Mai 2017 in der Kreativwerkstatt in Namibia mitgeholfen hat.

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Bildergalerie

Anita in der Kreativwerkstatt
Anita in der Kreativwerkstatt
Erfahrungen aus der Werkstatt in Namibia
Erfahrungen aus der Werkstatt in Namibia
Ein Arbeitsbereich aus der Kreativwerkstatt
Ein Arbeitsbereich aus der Kreativwerkstatt