Erfahrungsbericht aus dem Rehab Center in Ghana

Freiwilligenarbeit in Ghana und Uganda

Vieles gleich und doch so anders…

Die letzten 10 Monate habe ich auf dem wunderschönen Kontinent Afrika verbracht. Aus unserer europäischen Sicht unterscheiden wir kaum zwischen den unterschiedlichen Ländern und sprechen oft davon, in "Afrika" Urlaub zu machen. Nachdem ich jedoch 6 Monate in Ghana und 4 Monate in Uganda LINK TEIL 2 UGANDA ERFAHRUNGSBERICHT verbracht habe weiß ich jetzt, dass es trotz vieler Ähnlichkeiten auch viele Unterschiede gibt – der Besuch zweier Länder war eine sehr spannende Erfahrung, die ich nur jedem empfehlen kann.

Das Wichtigste vorneweg!

Viele von uns Volunteers haben die Vorstellung, dass wir während unseres Aufenthaltes Wesentliches in den Ländern verbessern und dadurch Spuren hinterlassen können. Spuren hinterlassen wir auf jeden Fall – und es sollten nur Positive sein. Aber die Probleme der Länder, die tief verwurzelt sind, kann keiner von uns innerhalb eines mehrwöchigen, nicht einmal während eines einjährigen Aufenthaltes ändern.

Wir müssen verschiedene Dinge akzeptieren; wir müssen sie nicht selbst tun und es nicht gut heißen, aber wir sollten uns der Kultur unterordnen. Des Weiteren sind unsere Einsätze aufgrund der Flexibilität an Einsatzwochen so gestaltet, dass es nicht unbedingt auf unsere Hilfe ankommt. Das ist verständlich, denn es muss anschliessend auch ohne uns weitergehen. Dennoch können wir mit unserem Aufenthalt IMMER einen Unterschied machen. Man muss sich nur aktiv einbringen.

Daher mein Apell: wartet nicht, bis jemand auf Euch zukommt und Euch sagt was zu tun ist oder Euch fragt, was ihr einbringen könnt – das wird nicht passieren. Jeder von uns ist gefragt, sich zu melden, Ideen zu kreieren und damit in den Projekten etwas zu hinterlassen. Manchmal ist es ein deutsches Kinderlied, das man den Kindern beibringt, oder nur ein gutes Gespräch mit einem "Obroni" oder "Muzungu" (Weisser), was die Menschen immens stolz macht.  Es sind die kleinen Dinge die in der Summe wichtig sind!

Accra – die belebte Hauptstadt Ghanas

Meine ersten 6 Monate habe ich in Accra, der Hauptstadt Ghana’s verbracht. Die Stadt ist die politische Metropole, direkt am Golf von Guinea. Die Lage am Meer habe ich als absoluten Vorteil empfunden, da man sich am Wochenende von der doch lauten und hektischen Stadt mit einem Besuch am Strand erholen konnte. Die Stadt hat den weiteren Vorteil, dass man sich im Zweifel alle westlichen Dinge in Supermärkten und Shopping Malls besorgen kann. Und dennoch ist sie eine typische afrikanische Großstadt, in der man alles sieht, was Ghana so einmalig macht: Frauen, die sich ihre Kinder auf den Rücken binden und überall mitnehmen; Verkäufer, die ihre Produkte auf dem Kopf tragen, Stromausfälle und fehlendes fließend Wasser…

Das Leben in der Gastfamilie

Nach der Einführungswoche bei Mama Mina ging es zur Gastfamilie, in der ich sehr nett aufgenommen wurde. In Ghana ist man eigentlich nie alleine als Volunteer – zumindest wenn man in Accra lebt. Wir waren in den besten Zeiten 6 Volunteers von RGV und weitere Besucher aus Benin, Bukina Faso oder der Elfenbeinküste. Wir hatten zusammen eine tolle Zeit als "internationale Volunteer Familie". So haben wir beispielsweise einmal die Küche übernommen und für alle Hausbewohner deutsches Essen gekocht (Frikadellen mit Kartoffelsalat).

Auch wenn der Standard bei den Familien in Accra sicher höher ist als auf dem Land muss man sich dennoch auf andere hygienische Verhältnisse einstellen. Stromausfälle sind an der Tagesordnung und es gibt nicht immer fließend Wasser – aber dann weicht man eben auf die Kübeldusche aus – Was wäre ein Afrika Aufenthalt ohne diese Erfahrung!

Arbeiten im Rehab Center

Durch die Arbeit im Rehab Center habe ich die Armut in einer Stadt kennengelernt. Auf der einen Seite bekommt man durch die intensiven Gesprächen mit den drogenabhängigen Männern im Rehab mit, wie und warum viele Menschen durch Drogen in ihrem Leben scheitern und so in einer Armutsspirale landen, aus der sie sich alleine nicht befreien können.

Zum anderen bekam ich durch die gemeinsamen Besuche vieler lokaler Märkte, auf denen wir nach Spenden (Nahrungsmittel) für das Rehab gebeten und gleichzeitig Werbung für das Rehab gemacht haben, einen Einblick in Plätze und Gegenden der Stadt, in die ich mich als Touristin niemals alleine getraut hätte. Außerdem kam ich durch die Spendensammlung immer wieder mit den Marktfrauen in Kontakt, die sich freuten, wenn ich sie in lokaler Sprache grüßte oder mich bedankte. So konnte ich auch für diese Menschen etwas Gutes tun… auch wenn es nur das kurze Lächeln war.

Auch beim Essen zubereiten habe ich regelmäßig mit angepackt. Das Banku stampfen ist gar nicht so einfach: Ich wusste bereits im Vorfeld, dass das Rehab eine christliche Einrichtung ist. Es gibt jeden Tag Bibelstunden, viel Beten und Singen. Wenn man hierfür offen ist und sich darauf einlässt, wird man selbst sehr bereichert; in jedem Fall tut man sich leichter, wenn man versucht, den christlichen Ansatz dieser Einrichtung zu akzeptieren.

Bei einer der Abschlussfeiern der rehabilitierten Männer und Frauen durfte ich die Zertifikate überreichen.

Reisen und das Entdecken des "anderen" Ghanas

Wenn man in Accra eingesetzt ist, sollte man auf jeden Fall Reisen und sich die anderen, wunderschönen Regionen Ghana’s anschauen. Einmal raus aus der Stadt, erlebt man noch mehr Kultur, schöne Natur und Landschaft und etwas relaxtere Menschen. Die Reisen nach Cape Coast, Elmina mit ihren tollen Stränden, nach Kumasi als Kulturhauptstadt, in die Volta Region mit der tollen Berglandschaft oder in den Norden nach Tamale, Bolgatanga und den Mole Nationalpark haben sich gelohnt, um Ghana in seiner ganzen Pracht kennenzulernen.

Fazit zu meiner Freiwilligenarbeit in Ghana und Uganda

Beide Länder sind wunderschön in ihrer Natur und in ihrer Kultur. Die Menschen in Ghana erscheinen mir etwas aufgeschlossener und entspannter zu sein als die Menschen in Uganda. Dies mag an der etwas stabileren Demokratie in Ghana liegen oder vielleicht auch an der etwas weiteren Entwicklung. In Uganda kämpfen die Menschen noch eher um ein friedliches, gesundes und armutsfreies Leben. Uganda ist zwar reich an Natur, an fruchtbarem Boden und eigentlich müsste keiner an Hunger, Armut und Krankheit leiden, aber dennoch funktioniert das System noch nicht reibungslos.

Da in Uganda das Volunteering noch nicht so fest etabliert ist, kann man hier noch echte Pionierarbeit leisten. Wie anfangs erwähnt, lässt sich jedoch überall was bewegen – Schritt für Schritt mit unseren eigenen kleinen Ideen! Ich konnte während meiner Aufenthalte in Ghana und Uganda nicht nur andere unterstützen und helfen, sondern habe auch sehr viel über mich selbst gelernt – eine unheimliche Bereicherung, die mir keiner mehr nehmen kann. Ich wünsche Euch genauso so tolle Erfahrungen über Land, Leute und Euch selbst! Viel Spass!

P.S.: Eine einmalige Erfahrung, die sich wohl nie wieder wiederholen wird: "Ich" wurde in Ghana Fussballweltmeister!

Freiwilligenarbeit im Rehab Center in Ghana, Bettina R. 20.10.2014

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Bettina mit einer neuen Freundin in Ghana
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Während der WM in Ghana macht Bettina viele Erfahrungen
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