Ghana – ein Land irgendwo im Westen Afrikas… recht viel mehr wusste ich nicht, als ich über eine Bekannte von einem Praktikum an einer Schule in Ghana erfuhr. Aber auf jeden Fall hörte es sich interessant an – 2 Monate in einem Land das so ganz anders ist als zu Hause, nette Leute kennen lernen, neue Erfahrungen machen, das was ich im Studium bisher gepaukt habe praktisch erproben, sich auf etwas unbekanntes einlassen, ein exotisches Fleckchen Erde erkunden und natürlich viele viele Abenteuer erleben.
Nach dem ersten Infotreffen mit Steffen wurden meine Vorstellungen was mich in Ghana erwarten sollte schon konkreter, die Vorfreude wuchs immer mehr und schneller als ich denken konnte, stand der Tag der Abreise vor der Tür. Bepackt mit einem großen Rucksack voller Gepäck, viel Neugier was mich erwarten würde, aber auch ein bisschen Nervosität und Aufregung stieg ich zusammen mit meiner Freundin und Studienkollegin in das Flugzeug gen Süden ein.
12 Stunden unterwegs und schon waren wir mitten drin im ghanaischen Gewusel am Flughafen in Accra und hielten Ausschau nach dem Rainbow Garden Village Logo. Doch da hatte uns Kwame der Leiter des Rainbow schon entdeckt: „Hey my Ladies, welcome in Ghana!“. Nach einer herzlichen Begrüßung war die ganze Aufregung wie weggeblasen und wir machten uns mit dem Rainbow-Bus auf den Weg an die Küste, wo wir die ersten zwei Tage relaxen und uns akklimatisieren konnten. Kwame nahm sich viel Zeit um uns zwei Obrunis (so wird man als Weißer begrüßt) von dem „ghanaian way of living“ und von dem was uns alles erwarten würde zu erzählen.
Voller Vorfreude ging’s nach zwei Tagen weiter ins Rainbow Garden Village Guesthouse und wir fanden uns schon bald in einem kleinen Paradies am Lake Bosumtwi wieder, in dem wir uns vom ersten Augenblick an sehr, sehr wohl fühlten.
Schon am nächsten Tag legten wir mit unserem insgesamt vierwöchigen Praktikum in der Holy Family School los. Da bereits eine Gruppe von Studenten aus Baden-Württemberg seit zwei Wochen in der Primary und Junior Secondary School unterrichteten entschieden wir uns, für die ersten zwei Wochen im dazugehörigen Kindergarten zu arbeiten. Aber natürlich war das eine ganz andere Art von Kindergarten, als wir bis dahin kannten – fast 50 Kinder im Alter von 2 bis 4 Jahren in einem Raum; kein Spielzeug, nur Tische und Stühle und 2 Kindergärtnerinnen die irgendwie versuchten, der Situation Herr zu werden. Mit großen Augen wurden wir von den süßen Kleinen erst einmal schüchtern beobachtet, aber schon bald waren wir mitten drin im Getümmel: Alphabet, Zahlenreihen und das Einmaleins aufsagen. Nach Schul- und Kindergartenschluss um 3 Uhr nachmittags waren wir einerseits richtig ausgelaugt und desillusioniert, was hier unter Kindergarten verstanden wird und andererseits voller Tatendrang, anzupacken und uns „kindgerechtere“ Methoden und Spiele auszudenken.
So versuchten wir in den zwei Wochen jeden Tag neue Klatschspiele, Tänze, Reime und Lieder einzuführen. Und die Anstrengung hat sich wirklich gelohnt…. trotz viel Vorbereitungsarbeit und täglichem Ideensammeln hatten wir eine unheimlich schöne Zeit im Kindergarten. Die Kleinen machten begeistert mit und sangen sogar in der Pause noch unsere Lieder. (Old Mac Donald had a farm, iah iah oh…. ; ). Besonders freute uns auch, dass die Kindergärtnerinnen unsere „neuen Methoden“ gut fanden, sich von uns die Texte aufschreiben ließen und unsere Ideen weiterführten.
Nach den zwei Wochen Kindergarten begannen die Osterferien und wir beschlossen diese Zeit für eine Rundreise durch den nördlichen Teil Ghanas zu nutzen. Da meine Freundin und ich schon öfters mit dem Rucksack unterwegs waren planten wir die Tour auf eigene Faust und unsere erste Station nach Kumasi war das Affenreservat in Buabeng-Fiema und anschließend der Wasserfall in Kintampo. Von dort ging’s nach Tamale, der größten Stadt im Norden, unserem Ausgangspunkt für den Mole Nationalpark. Der Besuch des Nationalparks war wirklich ein Highlight unserer Reise… freilaufende Elefanten, Affen, Warzenschweine, Gazellen und Krokodile in ein paar Metern Entfernung. Mit tollen Eindrücken machten wir uns auf den Weg in Richtung Volta Stausee auf dem wir eine Fahrt mit der Frachtfähre vom Norden in den Süden nach Akosombo geplant hatten. Im Reiseführer wird die Fährenfahrt mit den Worten beschrieben: „entweder man ist vollauf begeistert oder man findet es furchtbar“. Nachdem wir die 50-stündige Fahrt hinter uns hatten, waren wir trotz der abenteuerlichen Erlebnisse froh, endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Unsere letzte Station vor der Rückkehr ins Rainbow war Koforidua von wo aus wir den beeindruckenden Umbrella Stone, eine riesigen Felsen der mit etwas Fantasie einem Regenschirm gleicht, erklommen – die Schweißtropfen die man vergießt sind es echt wert!
Rückblickend auf unsere Nordrundreise lässt sich sagen, dass es zwar etwas beschwerlich ist, auf eigene Faust mit dem Rucksack durchs Land zu reisen (stundenlang auf Busse / in Bussen warten, nicht zu wissen wann man wo ankommt, sich ständig durchfragen zu müssen), aber dennoch bekommt man durch den unmittelbaren Kontakt zu den Menschen einen ganz anderen Blick auf das Land und erfährt vielleicht ein bisschen mehr davon wie Ghana und die Ghanaer tatsächlich sind: sehr, sehr gastfreundlich, lebensfroh und es gibt unendlich viele Seiten und Gesichter die man entdecken kann.
Mit vielen tollen Erfahrungen im Gepäck kamen wir wieder in unser geliebtes Rainbow zurück, das wir nach der Nordrundreise noch viel mehr als zuvor schätzen lernten: wunderbare Leute, leckeres Essen, eine tolle Atmosphäre – was will man mehr?!
Voller Elan nahmen wir nach den Ferien wieder unser Praktikum auf; diesmal in der zweiten und dritten Klasse in den Fächern Englisch und Biologie und zusätzlich einer Stunde bei unseren Kleinen im Kindergarten. Trotz aller Bedenken (Unterricht auf Englisch…) lief das Unterrichten erstaunlich gut und machte sehr viel Spaß. Die meisten Schüler waren begeistert, mal selbst etwas ausprobieren zu dürfen (Die Sinnesorgane in Stationen erarbeitet) und kreativ zu sein (Steckbriefe gestalten, etc.) – gewöhnlich gibt es in Ghana fast ausschließlich Frontalunterricht. Nach dem Unterricht von 8 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags (mit Pausen!) und dem Vorbereiten für den nächsten Tag blieb nur noch wenig Zeit zum entspannen. Im Gegenzug für diese Anstrengungen war es unheimlich ermutigend zu sehen wie die Schüler mit der Zeit aufblühten, sich selbstständiges Arbeiten zutrauten und einfach Spaß an unserem Unterricht hatten.
Da wir Sonderpädagogik studieren, wollten wir unbedingt auch einen kleinen Einblick in den Bereich der Förderschulen und Behinderteneinrichtungen in Ghana bekommen. Netterweise stellte Kwame kurzerhand Kontakt zu einer Ausbildungsstätte für körperlich behinderte Jugendliche in der Gegend her. Obwohl wir so spontan auftauchten nahm sich der Direktor ausgiebig Zeit für uns und wir waren wirklich erstaunt wie weit die Sonderpädagogik in Ghana schon entwickelt ist – alles strebt nach Integration. Zu unserem Glück hatte der Direktor eine gute Verbindung zu einer Schule für Kinder mit geistiger Behinderung in Kumasi – gleich am nächsten Tag fuhren wir dorthin und unsere positiven Eindrücke vom Vortag verfestigten sich noch mehr. Es wird in kleinen Klassen unterrichtet, die Schüler werden vor allem in Hinblick auf lebenspraktische Fertigkeiten, aber auch im Bereich der Kulturtechniken gefördert und zudem erhalten sie eine berufliche Ausbildung die die Integration in die Gesellschaft erleichtern soll. Leider hatten wir nur einen Tag Zeit und diese tolle Schule zu besuchen – es war schon unsere letzte Woche angebrochen.
Daher hieß es Abschied nehmen vom Rainbow Garden Village – wir waren wirklich wehmütig, ein so wunderbares Fleckchen Erde verlassen zu müssen. Jeder der einmal dort war und die tolle Atmosphäre und die lieben Menschen erlebt hat, wird dieses Gefühl nachvollziehen können.
Für die letzten Tage vor dem Rückflug stand der Süden des Landes auf dem Plan. Zunächst verbrachten wir 2 Tage in Cape Coast, einer Stadt an der Küste die durch den Jahrhunderte währenden Sklavenhandel bekannt ist. Die Führung durch die Sklavenburg gibt einen sehr beeindruckenden Einblick in einen beklemmenden Abschnitt der Geschichte Ghanas und ist absolut sehenswert. Nach dieser Zeitreise in die Vergangenheit lockte uns der Kakum Nationalpark. In schwindelerregenden Höhen kann man hier auf Hängebrücken den Dschungel erkunden und sich anschließend bei einer Führung die Besonderheiten der Flora und Fauna näher bringen lassen.
Da das Praktikum und auch das Reisen immer sehr ereignisreich und actiongeladen war, freuten wir uns sehr auf die letzten 3 Tage Entspannung am Meer. Mit Busua, einem kleinen Dorf mit wunderbaren Stränden hatten wir dafür ein wirklich schönes Plätzchen gefunden. Es tat wirklich gut, Zeit zu haben all die Erlebnisse Revue passieren zu lassen und langsam Abschied von diesem tollem Land und den wunderbaren Erfahrungen nehmen zu können.
Nach zwei Monaten ist Ghana nun viel mehr als nur ein Land irgendwo im Westen Afrikas…
Ghana – ein Land irgendwo im Westen Afrikas… recht viel mehr wusste ich nicht, als ich über eine Bekannte von einem Praktikum an einer Schule in Ghana erfuhr. Aber auf jeden Fall hörte es sich interessant an – 2 Monate in einem Land das so ganz anders ist als zu Hause, nette Leute kennen lernen, neue Erfahrungen machen, das was ich im Studium bisher gepaukt habe praktisch erproben, sich auf etwas unbekanntes einlassen, ein exotisches Fleckchen Erde erkunden und natürlich viele viele Abenteuer erleben.
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Kindergarten, Schule und Behinderteneinrichtung in zwei Monaten
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